HANSA TEUTONICA

VERLAG : Argentum Verlag

JAHR : 2009

SPIELER : 2-5

ALTER : ab 12 Jahren

DAUER : ca. 40-70  Min.

AUTOR : Andreas Steding

SPIELBESCHREIBUNG

Ankündigt hatte ich die Rezension bereits Ende August 2010. Das es jetzt Januar 2012 wurde, hat vielerlei Gründe. Durch die Fülle von ständigen Neuerscheinungen, gerät so manches Spiel schnell mal aus dem Fokus, auch wenn es noch so gut ist. Während manch hoch gehyptes Spiele schon längst in der Versenkung wieder verschwunden ist, kommen andere Spiele auch nach Jahren immer wieder gerne auf den Spieltisch. Eines davon ist Hansa Teutonica. Deshalb will ich meiner Ankündigung nun Folge leisten und das Spiel an dieser Stelle vorstellen.

hansa materialZwischen dem 12. und 17. Jahrhundert bestand eine Vereinigung der niederdeutschen Kaufleute, die so genannte deutsche Hanse oder lateinisch „Hansa Teutonica“. Die Interessen der Kaufleute sollten im Verbund gestärkt werden. Viele Städte (Hansestädte) und Kaufleute schlossen sich dem Bund an und hatten in der Folgezeit hohen wirtschaftlichen und teilweise auch politischen und gesellschaftlichen Einfluss. Die Blütezeit war zwischen 1250 und 1400. Das dürfte auch die Zeit sein, in die wir in das Spiel Hansa Teutonica einsteigen.

Natürlich verfolgt man, wie könnte es anderes sein, auch im Verbund seine eigenen Interessen und versucht seinen persönlichen Einfluss und wirtschaftlichen Erfolg zu stärken.

Spieleinstieg:

Vor uns liegt der Spielplan mit einem verzweigtem Netz aus Handelsrouten zwischen den damaligen Hansestädten. Über diese Handelsrouten versuchen die Spieler in den Städten Ihren Einfluss auszubauen. Der Spielplan ist in Provinzen eingeteilt, eingegrenzt durch Städte, Handelsrouten und an bestimmten Stellen durch Soldaten. Eine zentrale Spielfigur wird zu Beginn des Spiels in eine beliebige Provinz gestellt. Während der Partie können nur dort Aktionen ausgeführt werden, wo die Spielfigur steht. Auf den Handelsrouten  sind Verbindungspunkte abgebildet, die durch Händlersteine besetzt werden können und müssen. Gleiches gilt für die Städte. An 3 Handelsrouten werden Bonusmarker ausgelegt.

Jeder Spieler bekommt eine bestimmte Anzahl an Händlersteinen in seinen Vorrat. Weitere Händlersteine kommen in die Kasse und müssen erst durch weitere Aktionen in den Vorrat geholt werden. Man unterscheidet zwischen Händler (Würfel) und Großhändler (runde Scheiben = Wert von 2 Händlern).

In manchen Städten können die eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften weiterentwickelt werden.  Auf dem persönlichen Schreibtisch des jeweilgen Spielers sind die einzelnen Eigenschaften und deren Entwicklungsstand dargestellt. Verbessert man seinen Entwicklungsstand werden weitere Händlersteine „freigeschaltet“ und können in der Folgezeit eingesetzt werden.

In den 5 Eingeschaftsbereichen kann man z.B. die  Aktionszahl pro Runde erhöhen („Actiones“), die Anzahl an Händler, die man aus der Kasse in den Vorrat holt erhöhen und die Bewegungsfreiheit verbessern (umsetzten von Händlersteinen mit „Liber Sophiae“ ). Durch zusätzliche Stadtschlüssel lassen sich Siegpunkte am Spielende vervielfältigen. Wichtig ist der Bereich „Privilegium“. Nur wenn man dort bestimmte Farbbereiche freigeschalten hat, kann man sich in einigen Städten überhaupt niederlassen.

Spielverlauf:

Je nach dem, wieviele Aktionen man freigeschaltet hat, kann bis zu 5 Aktionen pro Runde durchführen. Zu Spielbeginn sind es gerade mal überschaubare 2. Welche Aktionen möglich sind, sieht man am unterm Rand des Schreibtisches.

Immer zu Beginn oder am Ende des eigenen Zuges kann man die zentrale Spielfigur auf dem Spielfeld um bis zu 2 Provinzen weit bewegen. Für eine Aktion kann man die Figur auch in eine frei wählbare Provinz stellen. Dort wo die Figur steht kann man dann Aktionen durchführen.

Entweder einen Händlerstein auf einer Handelsroute einsetzen oder einen gegnerischen Händlerstein verdrängen und einen eigenen an dessen Stelle einsetzten. Es ist auch möglich eigene Händlersteine, die auf verschiedenen Routen auf der Karte stehen, auf eine Route umzusetzen. Hansa SpielplanausschnittGelingt es einem Spieler auf einer Route zwischen 2 Städten alle Felder mit eigenen Händlern zu besetzten, kann er eine Niederlassung in einer  der beiden Städte gründen. Voraussetzung: Die Stadt ist noch nicht voll besetzt (1-4 Felder gibt es) und der Farbbereich des Feldes in der Stadt ist durch den Spieler bereits freigeschaltet („Privilegium“). Danach werden alle Händlersteine von der Route wieder entfernt und zurück in die Kasse gelegt. Hat man eine Route fertiggestellt und hat bereits Händler in den betroffenen Städten, bekommt man pro Händler in der Stadt einen Siegpunkt. Das gilt auch, wenn der Gegner die gleiche Handelsroute einrichtet. Die Niederlassungen in den Städten werden immer von links nach rechts gegründet. Haben beide Spieler eine Niederlassung in einer Stadt, gewinnt immer der Spieler der weiter rechts ist den Gleichstand. In manchen Städten muss man sich, nachdem man eine Handelsroute eingerichtet hat entscheiden. Will man eine Niederlassung in der Stadt gründen oder will man eine seiner Eigenschaften verbessern.

Wem es gelingt eine durchgehende Kette von Niederlassungen in den Städten von Ost nach West auf der Karte aufzubauen, bekommt sofort 7 Siegpunkte. Für die längste eigene Kette bekommt man zudem Siegpunkte am Spielende, Die Höhe ist abhängig davon, wieviele Stadtschlüssel man freigeschaltet hat.

Unterschalgen habe ich bislang die Bonusmarker. Zu Spiebeginn gibt es 3 Bonusmarker an 3 unterschiedlichen Routen im Spiel. Wer eine solche Handelsroute einrichtet, bekommt den Marker und muss einen neuen Marker an einer beliebigen noch unbesetzten Route wieder auslegen. Die Bonusmarker haben unterschiedliche Vorteile im Spiel. Je nach Anzahl von Bonusmarken, die man im Laufe des Spiels gesammelt hat, kann man am Spielende bis zu 21 Siegpunkte bekommen.

Spielende:

Das Spiel kann durch 3 unterschiedliche Bedingungen  zu Ende gehen. Entweder ein Spieler erreicht während des Spiels 20 Siegpunkte oder es können keine Bounsmarker mehr nachgezogen werden oder 10 Städte sind mit Niederlassungen komplett besetzt.

Jetzt gibt es noch Punkte für die Bonusmarker, für das längste eigene Netz an Handelsrouten und 2 Punkte pro Stadt, in der man die Mehrheit an Niederlassungen besitzt. In Köln gibt es noch eine Besonderheit, dort kann man mit seinem Großhändler nach dem Einrichten einer Handelsroute Felder mit Sonderprestigpunkten belegen. Diese werden ebenfalls am Ende des Spiels ausbezahlt. Schafft man es eine seiner Eigenschaften vollständig bis auf das höchste Niveau zu entwickeln gibt es auch nochmal 4 Siegpunkte. Wer jetzt die meisten Punkte hat, gewinnt.


SPIELGEFÜHL

Hansa Teutonica ist ein knallhartes Strategiespiel. Der sehr schön gestaltete Spielplan ist nur optische Fassade. Der Mechanismus steht eindeutig im Vordergrund. Zu Zweit entsteht ein ständiger Schlagabtausch und Kampf um die Besten Handelsrouten und die Vormachtstellung in den einzelnen Niederlassungen. Ständig verdrängt man den Gegner von einer Route um selbst an anderer Stelle verdrängt zu werden.Wer, wann welche seiner Eigenschaften weiterentwickelt, kann die strategische Ausrichtung im Spiel permanent verändern.

Der Spielplan ist zwar zu Zweit recht weitläufig und man sollte meinen man könnte sich aus dem Weg gehen, doch das täuscht. Will man das Spiel gewinnen, muss man den Gegner im Zaum halten und seine Pläne geschickt durchkreuzen ohne den eigenen Faden zu verlieren. Hierzu gehört auch, dass man auf das für sich am Erfolg versprechenste Spielende hinarbeitet.

Passt man nicht auf, kann eine Partie schonmal ziemlich frustrierend verlaufen (ich spreche aus Erfahrung). Hat man erstmal den Gegner frei schalten und walten lassen und seine eigenen Eigenschaften nicht rechtzeitig entwickelt, wird man kein Land mehr gewinnen und kann dem Gegner nur noch bei seiner erfolgreichen Ausbreitung im Spiel staunend beobachten.Spielen aber beide Spieler auf Augenhöhe und sind konzentriert bis zum Schluss, ist eine Partie immer wieder aufs Neue wahnsinnig spannend.

Hansa 1 Hansa 2

BEWERTUNG ZU ZWEIT

Hansa Teutonica ist ein sehr schönes, kurzweiliges, aber knallhartes Strategiespiel, dass immer volle Aufmerksamkeit der Spieler verlangt. Das Thema ist zweitrangig. Im Vordergrund steht der  abstrakte Mechanismus. Mit einer Spieldauer von selten mehr als 60 Minuten und einer leicht verständlichen Regel, ist Hansa Teutonica das bislang beste Spiel von Autor Andreas Steding. Schade nur, dass die 2010 erschienene Ost-Erweiterung nicht zu Zweit spielbar ist.

5  von 6 möglichen Pöppeln

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HANSA TEUTONICA, 6.0 out of 6 based on 24 ratings
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