WELCOME TO WALNUT GROVE

VERLAG : Lookout Spiele

JAHR : 2011

SPIELER : 1-4

ALTER : ab 10 Jahren

DAUER : ca. 30-45  Min.

AUTOR : Touko Tahkokallio und Paul Laane

SPIELBESCHREIBUNG

Welcome to Walnut Grove! Ja diesen Ort gibt es tatsächlich. Walnut Grove ist ein kleines, 600 Einwohner zählendes Dorf in Redwood County / Minnesota USA und wurde bereits 1870 gegründet. Namensgebend waren die Walnusshaine in der näheren Umgebung. Wir steigen in diesem Spiel nur unwesenltich später ein, nämlich  1885. Ambitionierte Jungunternehmer würde man die  jungen Farmersfamilien heute wohl nennen, die sich am Rande des Dorfes ein Stück Land kaufen und es aufopferungsvoll bewirtschaften, um sich eine funktionierende Exsistenz aufzubauen und einen gewissen Wohlstand zu erlangen. Doch das Farmleben war nicht einfach und von harter Arbeit am Rande der Existenz geprägt. Man musste schon clever wirtschaften um nicht im Winter vor dem Ruin zu stehen.

Spieleinstieg:

Als „Start up“ erhält jeder Spieler ein kleines Stück Land , ein Farmhaus, eine Scheune, ein bisschen Holz, 2 Kupfermünzen und einen Knecht, der im Planwagen neben dem Farmhaus lebt. Die Kupfermünzen werden in der Scheune gelagert . Im angrenzenden Dorf  Walnut  Grove gibt es das Nötigste um als Farmer zurechtzukommen. Dort können Waren verkauft / gekauft werden, Knechte angeheuert und zusätzliche Hütten und Anschaffungen zur Erweiterung der Farm erworben werden. Eine Spielfigur jedes Spielers wird entweder beim Rathaus oder der Kirche eingesetzt. In der Dorfmitte liegen die Jahresscheiben, die in vorausschauender Weise zeigen, was das kommende Farmjahr so bringt. Gespielt wird über 8 Jahre. Wer am Spielende am erfolgreichsten gewirtschaftet hat, gewinnt das Spiel.

Spielverlauf:

Als erstes wird jedes Jahr im Frühjahr das Farmland jedes Spielers erweitert. Die Jahresscheibe gibt vor  wieviele Landschaftsplättchen verdeckt gezogen werden  und wieviele davon an das eigene Farmland angelegt werden dürfen. Man  unterscheidet 5  Landschaftstypen, die verschiedene Waren produzieren (Getreide, Holz, Stein, Fisch und Milchprodukte). Einige Plättchen sind teilweise von Zäunen umgeben.

Im Sommer, der Hochsaison für Farmer, wird auf den Feldern hart gearbeitet. Dazu wird die Farmerfigur und die vorhanden Knechte der Farm auf die Felder geschickt. Die Jahresscheibe gibt vor, welche Ware in diesem Jahr besonders produktiv ist. Dabei bringen größere zusammenhängende Landschaften (aus mehren Plättchen einer Sorte) mehr Ertrag. Die Spielfiguren werden immer auf ein zusammenhängendes Feld einer Sorte gestellt. Pro Plättchen, dass zu dieser Landschaft gehört, bekommt man einen Warenwürfel. Der Lageplatz auf den Feldern ist allerdings begrenzt und je nach Landschaftsplättchen sehr unterschiedlich. Überzählige Waren können in der Scheune eingelagert werden, falls Platz vorhanden ist. Felder auf denen keine Figur stand, bringen auch keinen Ertrag.

Im Herbst muss für den kalten Winter vorgesorgt werden und gleichzeitig das neue Jahr vorbereitet werden. Dazu gehen die Spieler in das angrenzende Dorf um die Waren des Sommers in Baumaterial, Geld, Anschaffungen oder zusätzliche Knechte umzusetzen. Das Dorf besteht aus einem Rundkurs. Jeder Spieler bestimmt für sich selbst, zu welchem Feld er ziehen möchte, um dort Handel zu treiben. Auf den meisten Feldern ist allerdings nur Platz für genau einen Farmer und in jeden Herbst kann man nur genau auf einem Feld eine Aktion durchführen. Überschreitet man beim Lauf durch das Dorf dabei die Felder des Rathauses und / oder der Kirche wird es teuer. Denn ein Weiterlaufen erfordert die Abgabe einer Münze (wertunabhängig). Wer im Dorf als erstes etwas machen darf, hängt davon ab, welche Spielfigur im Uhrzeigersinn des Rundkurses am Weitesten vom Rathaus entfernt steht.

Die Jahresscheibe zeigt an, welche Ware in diesem Herbst besonders begehrt ist und daher eine zusätzlich Münze beim Verkauf einbringt. Münzen, die durch den Warenverkauf an die Spieler gehen, werden aus einem Beutel zufällig gezogen (Werte 0-2) und durch die Spieler verdeckt in der eigenen Scheune eingelagert (falls Platz). Hierbei können auch wertvollere Münzen gegen wertlose aus der Scheune getauscht werden. Heuert man einen neuen Knecht an, was in 3 Geschäften im Dorf zu unterschiedlichen Preisen möglich ist, werden diese erst im Frühjahr ins Spiel gebracht und werden erstmal neben die eigene Farm gestell.

Die Spielfiguren im Dorf bleiben auf dem Feld stehen, wo zuletzt eine Aktion durchgeführt wurde, um an dieser Stelle im nächsten Herbst weiterzulaufen.

Im Winter zeigt sich dann, wie gut oder schlecht  das letzte Jahr für die Farmer verlaufen ist. Jeder Knecht auf der Farm will ernährt und erwärmt werden. Die Knechte haben unterschiedliche Farben. Jeder Knecht muss mit genau der Ware ernährt werden, dessen Farbe er zeigt ( z.B. gelb = Getreide) und jeder Knecht der nicht in einer Hütte wohnt sondern im Planwagen benötigt ein Holz um es warm zu haben. Die Jahresscheibe verschärft die Bedingungen noch zusätzlich. So dass in besonders strengen Wintern, manche Knechte 2 Nahrung benötigen oder zusätzliches Holz benötigt wird. Kann man die Versorgung im Winter nicht aufrechterhalten, weil die Erträge im Sommer nicht so hoch waren, oder die Investitionen im Herbst zu teuer, hilft nur noch Nachbarschafthilfe in Anspruch zu nehmen. Für jede Nahrung und jedes Holz, dass einem fehlt, muss man ein Hilfeplättchen nehmen. Diese Plättchen bringen am Spielende je 2 Minuspunkte. Da die Plättchen gestapelt werden kann nur dass, welches man zuletzt bekommen hat,  im Laufe des Spiels wieder zurückbezahlt werden. Alle Plättchen darunter bleiben bis zum Spielende liegen.

Danach beginnt eine neue Runde mit den Aufdecken einer neuen Jahresscheibe. Nach insgesamt 8 Runden ist das Spiel zu Ende.

Spielende:

Am Spielende zeigt sich, wer seine Farm am Besten aufgebaut hat. Landschaften die komplett umzäunt sind  (manche Plättchen haben teilweise Zäune abgebildet) bringen einen Punkt, jeder Knecht bringt 2 Punkte, jede Scheune und jede Hütte bringen je einen Punkt, sowie alle gesammelten Münzen bringen den aufgedruckten Wert. Anschaffungen (jede Farm bietet Platz für 3 Anschaffungen) erhöhen am Spielende die Wertigkeit bereits in der Farm vorhandener Errungenschaften. So bringt der Brunnen z.B. einen zusätzlichen Punkt pro Knecht. Nicht zurückgezahlte Nachbarschaftsplättchen bringen pro Plättchen 2 Minuspunkte. Wer jetzt die meisten Punkte hat, gewinnt.

SPIELGEFÜHL

Walnut Grove ist weder ein besonders inovatives, noch besonders komplexes Spiel, dennoch spiele ich es  ausgesprochen gerne. Hier verschmelzen das klassische Plättchenlegespiel ala Carcassonne mit den modernen Mechanismen der Worker Placementspiele in sehr angenehmer Weise. Viele Entscheidungen hat man im Laufe der 8 Jahre nicht zu treffen, dennoch ist man ständig gefordert seine Strategie anzupassen ohne überfordert zu werden. Anders als bei vielen neueren Spielen, bei denen man durch die große Vielfalt an Entscheidungsmöglichkeiten schier erschlagen wird und das Regelstudium alleine schon einen ganzen Spieleabend auffrisst, bleibt hier alles in einem überschaubaren Rahmen ohne aber langweilig zu sein. Die 8 Runden spielen sich zu Zweit mit etwas Erfahrung in 30 Minuten.

Trotz der kurzen Spieldauer hat man das Gefühl, seine Farm durch alle Höhen und Tiefen eines Unternehmens geführt zu haben. Der Anfang ist beschwerlich. Mit wenigen Arbeitern und wenigen Feldern ist es nicht einfach seine Farm am Laufen zu halten und schnell muss man die Nachbarschaftshilfe in einem strengen Winter in Anspruch nehmen. Doch von Runde zu Runde wird es im Regelfall besser und die wirtschaftlichen und finanziellen Möglichkeiten größer, so dass am Ende des Spiels fast immer eine schön ausgebaute Farm mit vielen Landschaften zur Verfügung steht . Auch wenn man nicht gewinnt, weil der Gegenüber es einen Tick besser gemacht hat, oder ein wenig mehr Glück beim ziehen der Plättchen und Münzen hatte, kann man fast immer zufrieden gleich eine weitere Partie anschließen.

In die Quere kommen sich die Spieler nur selten. Der Rundkurs in der Stadt bietet meist genügend Spielraum, um etwas sinnvolles zu machen auch wenn das eigentliche Wunschfeld gerade belegt ist. Zu Viert geht es hier sicherlich enger und spannender zu. Aber das stört nicht weiter, da das Spiel  genug bietet, um auch ohne  größere Interaktion spannend zu sein. Ich wünsche mir mehr solcher Spiele.

Das Material des Spiels ist schön gestaltet und von guter Qualität. Die Stanzfehler der Plättchen aus der ersten Auflage sollten behoben sein. Auch ich habe mittlerweile, durch den gewohnt guten Service bei Lookout , schnell Ersatz bekommen.


BEWERTUNG ZU ZWEIT

Wer Carcassonne in seinen unzähligen Varianten gerne spielt, sich aber schon immer gewünscht hat, dieses Spiel trotz  kurzer Spieldauer und familientauglichem Regelumfang durch die Elemente Ressourcenmanagement und „Worker Placement“ zu erweitern, ist hier genau richtig. Alle anderen aber im übrigen auch! Walnut Grove bringt alles für einen unangestrengten und kurzweiligen Spieleabend mit. Willkommen im Walnusshain !

Pöppelbewertung 5

5  von 6 möglichen Pöppeln

GD Star Rating
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WELCOME TO WALNUT GROVE, 5.0 out of 6 based on 2 ratings

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