RISTORANTE ITALIA

VERLAG : Red Glove

JAHR : 2011

SPIELER : 2-5

ALTER : ab 8 bzw. 10 Jahre

DAUER : ca. 90  Min.

AUTOR : Riccardo Guerra, Marco Mutta, Giulio Guerra

SPIELBESCHREIBUNG

Einige der  Essenneuheiten des letzten Jahres sind schon wieder in Vergessenheit geraten. Manche zu Recht, andere zu Unrecht. Manche Spiele sind in der Neuheitenflut erst gar nicht richtig bemerkt worden. Ristorante Italia vom italienischen Kleinverlag Red Glove ist für mich so ein Spiel. Grund für mich, das Spiel mal genauer anzuschauen.

Die Spieler schlüpfen in die Rolle konkurrierender Restaurant-Besitzer. Blutige Anfänger mit wenig Kochbegabung, einer schlechten Ausstattung, wenig Geld, keiner Publicity und eigentlich auch keinem Plan wie man ein gutes Restaurant führt. Dieser wird aber zielstrebig umgesetzt…  Ziel ist es Umsatz zu machen, die Besten Menüs auf die Speisekarte zu zaubern und damit die Kritiker zu überzeugen und langsam von einem Billigitaliener zum mit Sternen und goldenen Kochlöffeln überhäuften Nobelrestaurant aufzusteigen. Wem das am Besten gelingt, gewinnt.

Spieleinstieg:

Jeder Spieler startet mit 25 Münzen, einer Kochmütze (was der Kochfähigkeiten des Spielers entspricht) und einem leeren Restaurant mit genug Platz für Zutaten, Weinlager und der Speisekarte. In der Tischmitte  liegt der Hauptspielplan mit der Zeitleiste (4 Jahre werden gespielt), dem Koch-O-Meter, der anzeigt wie es um die Kochfähigkeiten der Spieler steht und dem Markt, auf dem die Zutaten an 5 unterschiedlichen Marktständen verkauft werden.  Da haben wir z.B den Metzger oder  den Gemüsehändler. Dazu gibt es noch die Auslage mit Rezepten. Anders als wir es in Deutschland gewohnt sind besteht in Italien ein Essen nicht nur aus Pizza oder Pasta. Ein komplettes Menü besteht aus Vorspeise, 1.Gang , 2.Gang und einer Nachspeise. Ein guter Wein darf natürlich auch nicht fehlen. Die Pasta ist bestenfalls ein Teil des Menüs.

Das Spiel läßt sich auf zweierlei Weise spielen. In der Grundform für „Jungköche“ und in der Version für „Spitzenköche“. Nach dem Motto „Wenn dann richtig!“  beschreibe ich hier natürlich das Spiel für Spitzenköche. Nix anderes wollen wir werden. Bei der Fortgeschrittenen Version kommen noch zusätzliche Bonuskarten und Ausstattungsgegenstände, wie bessere Restauranträume zum Einsatz. Und wer ein Spitzenkoch sein will, verfeinert die Standardrezepte um seine persönliche Note.

Spielverlauf:

Die Spielregeln an sich sind recht überschaubar. Wer am Zug ist, hat genau 2 Aktionen:

Man kann frei wählen, ob man ein neues Rezept (wahlweise Vorspeise, 1.Gang, 2.Gang oder Dessert) oder einen Wein vom verdeckten Nachziehstapel zieht. Man zieht immer 5 Karten und wählt eine davon aus. Wer kein neues Rezept braucht, kann alternativ auf dem Markt gehen und Zutaten für seine Rezepte einkaufen (Die Preise stehen auf den Zutatenplättchen). Hierbei gilt:  Mit einer Aktion kann genau eine Zutat in einem Laden gekauft werden und zusätzlich kann die komplette Auslage in einem Laden ausgetauscht werden. Es ist nämlich keineswegs so, dass alle Zutaten immer angeboten werden. Wer das auch nicht möchte kann sich eine Bounskarte aus der Auslage kaufen (Bonuskarten helfen einem im Spielverlauf seine Ziele etwas einfacher zu erreichen) oder sein Restaurant durch zusätzliche oder hochwertige Räume aufzupeppen. Mann muss nicht zwischen den Aktionen wählen, sondern kann auch eine Aktion 2 mal machen.

Auf diese Weise werden 3 Runden gespielt. Danach ist das erste Jahr vorbei und es wird ernst! Der Restaurantkritiker hat sich angekündigt. Jetzt muss man zeigen, welche neuen Rezepte im Restaurant neu zubereitet werden. Hierzu legt man die Rezepte in die eigene Auslage und gibt die geforderten Zutaten ab. Nicht gekochte Rezepte bleiben auf der Hand und nicht verwendete Zutaten im Lager.

Die einzelnen Rezepte haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Wie bereits beschrieben starten wir mit einer Kochmütze auf dem Koch-O-Meter. Rezepte die mehr Kochmützen erfordern übersteigen „noch“ unsere Kochfähigkeiten. Jedes ausgelegte Rezept ist beim Kritiker Punkte wert (rote Zahl auf der Karte). Wer in der Kritikerwertung die meisten Punkte hat, darf auf dem Koch-O-Meter um 3 Felder vorrücken, der Zweite 2 Felder. Wer dabei die nächste Stufe der Kochmützen überschreitet, kann ab dem nächsten Jahr auch anspruchsvollere Gerichte kochen. Außerdem bringt jeder Schritt auf der Leiste zusätzliche Siegpunkte am Spielende (max.30 Punkte)

Nach der Kritikerrunde folgt eine VIP-Runde. Dabei wird verdeckt Geld geboten, um eine VIP in das eigene Restaurant zu locken. Wem es gelingt bekommt einen zusätzlichen Stern für sein Restaurant. Jeder Stern ist am Spielende 10 Punkte wert.  Erst jetzt bekommen wir die Einnamen des Jahres für unsere Restaurant. Jedes ausliegende Rezept und jeder Wein im eigenen Weinlager bringt Einkommen. Zusätzliche Tische und Räume bringen jetzt auch Einkommen.

Auf diese Weise werden 4 Jahre durchgespielt. Am Ende des 4.Jahres kommt es zur finalen Abrechnung. Ein letztes Mal kommt der Kritiker ins Restaurant. Zunächst dürfen wieder neue Rezepte in die eigene Auslage gelegt werden. Platz ist im Übrigen nur für 2 komplette Menüs. Hat man z.B. bereits 2 Vorspeisen in der Auslage, muss man für eine neue Vorspeise eine alte entfernen. Jetzt sucht jeder Spieler sein Bestes komplettes Menü aus seinen Rezepten aus und stellt es dem Kritiker vor. Dieses Menü wird in 3 Kategorien bewertet.

1. Kritikerurteil über die Qualität. Es geht wie bisher um die Rote Zahl auf den Rezepten. Wer den höchsten Wert hat bekommt einen goldenen Kochlöffel. Der Löffel ist 10 Punkte wert.

2. Die Kostform: Hat man ein Menü zusammengestellt, dass z.B. nur komplett vegetarisch ist, hat man ein Spezialitätenmenü und bekommt 10 Punkte am Spielende.

3. Die Küchenform: Es wird zwischen „gut bürgerlich“ und „gehobene Küche“ unterschieden. Wer hier ein durchgängiges Menü präsentiert bekommt 15 Punkte.

Danach folgt nochmals eine VIP -Runde wie gehabt. Nach der VIP-Runde gibt es einen Preis für Wirtschaftlichkeit. Wer das meiste Geld hat bekommt einen zusätzlichen Stern. Man sollte also aufpassen nicht alles für den VIP auszugeben. Abschließend folgt der große nationale Kochwettbewerb. Jeder Spieler sucht das Einzelrezept aus seiner Auslage aus, dass den höchsten Kritikerwert hat. Wer hier gewinnt bekommt nochmal 2 goldene Kochlöffel.

Spielende:

Danach ist Schluss und es folgt die Abrechung. Jetzt gibt es Punkte für Sterne, goldene Kochlöffel, für die richtige Kost-und Küchenform sowie dem Rang auf dem Koch-O-Meter.Dazu kommen Punkte für alle Rezepte in der eigenen Auslage und den Weinen im Lager. Hat man sogar den passenden Wein zu einem Rezept im Lager gibt es zusätzliche Punkte. Hat man im Laufe des Spiels sein Restaurant mit zusätzlichen Räumen bzw. Tischen ausgestattet gibt es hierfür auch Punkte. Geld ist am Ende nichts mehr wert.

SPIELGEFÜHL

Meiner Tochter sage ich immer wieder “ mit Essen spielt man nicht“ . Das ist bei Ristorante Italia anders. Hier darf man mit Essen spielen. Und es wundert mich immer wieder, wie wenige Spieleautoren sich an das Thema herantrauen. Aus der jüngeren Vergangenheit fallen mir nur „A la Carte“ , „Wasabi“ und „Burger Joint“ ein. Nicht jedes Spiel kann überzeugen. Mit Ristorante Italia wird nun wieder ein neuer Versuch gestartet. Die Spielschachtel im quadratischen Kosmosformat ist prall gefüllt. Jede Menge Karten, Plättchen, Aufbewahrungsschachteln bis hin zur  kleinen Plastiktasse für jeden Spieler zur Aufbewahrung des Geldes. Am Material wurde nicht gespart, die Grafik ist ansprechend, die Regel läßt kaum Fragen offen. Hier bekommt man schon mal viel Spiel für sein Geld und bekommt richtig Lust loszulegen.

Doch wie sieht es mit dem Spielwert aus?

Durch die einfachen Regeln ist die Einstiegshürde nicht sehr hoch. Jeder kann sich schnell seine ersten Rezepte an Land ziehen und Zutaten kaufen, wenn auch nicht immer die, die man gerade für seine Rezepte benötigt. Allein  das durchlesen der unterschiedlichen Rezepte ist interessant. Manches Rezept mag für den ein oder anderen völlig neu sein.

Es gibt eine Fülle unterschiedlicher Zutaten und Rezepte. An dieser Stelle sind die Rezepte meines Erachtens nicht ganz gleichwertig austariert. Für einfache Rezepte reicht eine Zutat, für besondere Rezepte braucht man bis zu 4 unterschiedliche Zutaten. Bis man die zusammen hat, braucht es in der Regel ein paar Runden. In der Zeit hat man locker 2-3 einfache Rezepte in seiner Auslage liegen. Der Mehrwert der teuren Rezepte ist aber ungleich geringer, als dass sich dieser Aufwand immer lohnen würde. Da muss man sich schon genau überlegen, ob man darauf spielen will. Klar, hochwertige Rezepte bringen in den Kritikerrunden evt. Vorteile und es wird einfacher den ein oder anderen goldenen Kochlöffel zu bekommen und auf dem Koch-O-Meter aufzusteigen, aber mit vielen kleinen Rezepten kann man das am Ende wieder kompensieren.

In der Summe stört mich dieser Makel nicht, denn Ristorante Italia spielt sich locker und flüssig ohne größere Längen. Spannend wird es immer am Ende des Jahres wenn der Kritiker kommt und der kommt für alle Spieler in der Regel viel zu früh, weil man doch noch so viel machen wollte.

Bei der Zutatenwahl in den Läden und bei der Rezeptauswahl benötigt man schon etwas Glück, dass passende zu finden. Geld ist im Spiel nur am Anfang knapp, später läßt sich aus dem vollen schöpfen und man kann sein Restaurant aufbessern und viel Geld beim bieten auf die VIP´s verlieren.

Ristorante Italia gehört für mich zu den besseren Spielen zum Thema Essen und es kommt bei entsprechender Stimmung immer wieder gerne auf den Tisch. Die Spieldauer ist mit durchschnittlich 90 Minuten akzeptabel. In der Grundversion des Spiels wird auf die Bonuskarten und die Erweiterung des Restaurants verzichtet, ansonsten ist der Spielverlauf identisch. Ich wollte nicht ohne die Fortgeschrittenenvariante spielen, da durch die Bonuskarten noch ein wenig zusätzliche Taktik ins Spiel kommt. Und wer will schon auf eine Bounskarte Namens „Katze“ verzichten, mit deren Hilfe man eine fehlende Zutat aus dem Abfalleimer zurückholen kann. Hmmm lecker!

Witzig ist das kleine Gimmick in der Spielregel. Mit einem Code bekommt man im Internet Zugang zu den Online -Rezepten des Spiels und kann somit die Rezepte zum Spiel nachkochen. Guten Appetit!


BEWERTUNG ZU ZWEIT

Der Weg vom Billigitaliener zum Sternekoch ist kein kurzer, aber ein, in der richtigen Stimmung und Besetzung gespielt, durchaus spaßiger. Das das Spiel an der ein oder anderen Stelle nicht hundertprozentig austariert ist und man schon etwas Glück benötigt,  möge dabei verziehen werden und tut dem Gesamtspaß keinen Abbruch. Wer allerdings den perfekten Strategiehammer erwartet, sollte besser die Finger von diesem Spiel lassen. Ansonsten steht einem stimmungsvollem italienischen Abend, vielleicht mit dem passenden Essen vor oder nach dem Spiel, nichts mehr im Wege.

4,5  von 6 möglichen Pöppeln

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RISTORANTE ITALIA, 5.3 out of 6 based on 3 ratings

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