TARGI

19. Februar 2012

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VERLAG : Kosmos

JAHR : 2012

SPIELER : 2

ALTER : ab 12 Jahren

DAUER : ca. 60  Min.

AUTOR : Andreas Steiger

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SPIELBESCHREIBUNG

“Targi”, nicht zu verwechseln mit dem Spiel “Targui” aus dem Jahre 1987, ist das neuste Spiel aus der traditionellen Kosmos 2er Reihe. Nachdem die Reihe in den letzten Jahren doch etwas nachgelassen hat und nur durch Neuauflagen alter Klassiker glänzte, gibt es jetzt wieder, zu meiner Freude, neues, interessantes Futter aus der Reihe. Die Tuareg sind ein Nomadenvolk in der Wüste Afrikas. Anders als bei den meisten Völkern haben hier die Frauen die Hosen an, denn ihnen gehört der komplette Hausstand. Nicht die Frauen, sondern die männlichen Targi sind verschleiert. Die Tuareg handeln mit in der Wüste Afrikas typischen Waren wie Salz, Pfeffer und Datteln, tauschen Schmuck und Münzen. Mit ihren Kamelen durchkämmen sie die Sahara und die Sahelzone, um ihren Stamm zu erhalten und weiter zu entwickeln. Genau das ist unsere Aufgabe in diesem Spiel.

Spieleinstieg:

Der komplette Wüstenspielplan setzt sich aus Karten zusammen. 16 durchnummerierte Randfelder bilden den 10×5 Karten großen Rahmen des Spielfeldes. Die Felder sind mit unterschiedlichen Funktionen belegt. Gefüllt wird der Rahmen mit Warenkarten und Stammeskarten. Zu Beginn des Spiels werden 5 Waren- und 4 Stammeskarten im Inneren der Wüste ausgelegt. Die restlichen Waren- und Stammeskarten werden als verdeckter Nachziehstapel getrennt voneinander bereitgelegt. Die Warenplättchen, bestehend aus Salz, Pfeffer und Datteln, sowie die Münzen und Siegpunktmarker werden neben dem Spielplan bereitgelegt. Ein Räuber, der Runde für Runde ein Randfeld weiterzieht und somit als Rundenzähler dient, wird auf das Randfeld mit der Nr. 1 gestellt. Durch den Räuber ist das entsprechende Feld für die aktuelle Runde gesperrt. Jeder Spieler (Stamm) erhält 3 Targifiguren, 2 Stammesmarker, 1 Münze, 4 Siegpunktmarker und je 2 Warenplättchen aller 3 Sorten als Startausrüstung.

Und was machen wir jetzt damit?

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Spielverlauf:

Zu Beginn jeder Runde wird der Räuber um ein Randfeld weiterbewegt. Kommt er auf eines der 4 Eckfelder kommt es zu einem Überfall und die Spieler verlieren Waren oder Siegpunkte. Erreicht der Räuber die 16. bzw. letzte Karte der Randfelder, kommt es zu einem letzten Raubzug und das Spiel endet. Doch bis es soweit kommt, erwartet die Spieler rund 60 Minuten hartes Wüstenleben.

Die Spieler setzen abwechselnd ihre Targifiguren auf den Randfeldern ein, die sie in dieser Runde nutzen wollen. Das passiert so lange,  bis beide Spieler ihre drei Figuren platziert haben. Das Platzieren der Targifiguren auf den Randfeldern unterliegt, wie könnte es auch anderes sein, einigen Regeln. Auf jedem Randfeld kann nur eine Figur stehen. Gegnerische Figuren dürfen sich nicht gegenüber stehen, auf das Feld des Räubers kann nicht gesetzt werden und die 4 Eckfelder sind tabu. Beherzigt man diese Regeln, wird man schnell feststellen, dass der Raum schnell eng wird, zumal jedes Randfeld mit einer anderen, wichtigen Funktion belegt ist. Auf vielen Randfeldern gibt es einfach unterschiedliche Waren, doch auf einigen Feldern wie z.B der Silberschmiede, bei der man Waren zu Gold oder Siegpunkten tauschen kann, läßt sich richtig was machen.

Doch das alleine macht noch keinen spannenden Mechanismus eines Spieles aus. Das setzen der Targifiguren auf die Randfelder löst Synergieeffekte aus. Denn nur dort, wo sich 2 eigene Targifiguren auf dem inneren Spielfeld kreuzen, darf ein eigener Stammesmarker gesetzt werden und die darunter liegende Stammes oder Warenkarte genutzt werden. In der Regel gibt es 2 Kreuzungspunkte und somit 2 Karten, die genutzt werden können. Insgesamt können die Spieler somit bis zu 5 Aktionen pro Runde durchführen (3 über die Randfelder und 2 über die inneren Felder). In welcher Reihenfolge man die Karten nutzen möchte, bleibt den Spielern selbst überlassen.

Während die genutzten Randfelderkarten bis zum Spielende unverändert an Ort und Stelle liegen bleiben, verändert sich der innere Bereich ständig. Für eine genutzte Warenkarte kommt eine neue Stammeskarte ins Spiel und umgekehrt. Während man bei den Warenkarten die abgebildeten Waren in Form von Warenplättchen in den Vorrat bekommt und die Karte danach auf den Ablagestapel kommt, verhält es sich bei den Stammeskarten anders.

Um diese zu bekommen, muss man die geforderten Waren und/ oder Goldmünzen abgeben. Die Stammeskarten kommen dann in die eigene Auslage und erweitern den eigenen Stamm. Auch dies geschieht nicht ohne entsprechende regeltechnische Einschränkungen.

Die eigene Auslage umfasst max. 3 Reihen zu 4 Karten. In jede Reihe werden die Stammeskarten von links nach rechts gelegt. In welche Reihe man die Karten legt, spielt oberflächlich gesehen keine Rolle. Man unterscheidet jedoch zwischen 5 unterschiedlichen Stammeskarten (Kamelreiter, Palme, Targia, Zelt und Oase). Gelingt es einem Spieler 4 gleiche Stammeskarten in eine Reihe zu bekommen, gibt es am Spielende dafür 4 Bonussiegpunkte ( 4 unterschiedliche bringen immerhin 2). Alles andere bringt nichts. Die Stammeskarten selber bringen am Spielende die aufgedruckten Siegpunkte (1-3) und die ein oder andere hilfreiche Vergünstigung während des Spiels.

Will oder kann ein Spieler die geforderten Waren für eine Stammeskarte nicht bezahlen, kann er genau eine Karte auf die Hand nehmen oder auf die Aktion verzichten.

Hat jeder Spieler seine Aktionen durchgeführt und seine Figuren wieder zurück in seine Vorrat genommen, wechselt der Startspieler und eine neue Runde beginnt wieder mit dem Voranschreiten des Räubers auf den Randfeldern.

Als kleine, aber nicht unwichtige Anmerkung ist noch zu erwähnen, dass erschwerend hinzukommt, dass man nur max. 10 Waren und 3 Goldmünzen am Rundenende für die nächste Runde behalten darf.

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Spielende:

Das Spiel kann auf zweierlei Weise enden. Entweder der Räuber hat seinen Rundkurs auf den Randfeldern erfolgreich bis zum vierten Feld “Überfall”  gemeistert, und die Spieler geben die geforderten Siegpunkte oder das entsprechende Gold ab, oder einem Spieler gelingt es vorher, seine persönliche Auslage mit 3×4 Karten zu vervollständigen. In beiden Fällen endet die Partie sofort.

Jetzt werden die Punkte auf den Stammeskarten in der eigenen Auslage zusammengezählt und Bonuspunkte für entsprechend gleiche/ ungleiche Karten in einer Reihe addiert. Manche Stammeskarten bringen evtl. noch Zusatzpunkte. Waren und Gold bringen am Ende nichts mehr. Wer die meisten Siegpunkte hat, gewinnt.

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SPIELGEFÜHL

Targi kommt ohne festen Spielplan aus, ist aber dennoch kein kleines Kartenspiel.  Das Wüstenthema ist sehr stimmig umgesetzt worden. Die grafische Symbolik ist klar, unaufgeregt und immer eindeutig. Sollte es denoch Unklarheiten geben, kann man die Randkarten einfach umdrehen und man bekommt eine textliche Erläuterung. Das finde ich eine richtig gute Idee. Der Spieleinstieg stellt regeltechnisch keine große Hürde da, und man kann schnell beginnen.

Dennoch hat es das Spiel  in sich. Der Mechanismus ist ausgeklügelt, anspruchsvoll, und mir in dieser Form noch nicht begegnet (ich kenne aber auch nicht alle Spiele der letzten 30 Jahre). Beim Einsetzen der Targifiguren müssen immer viele Dinge berücksichtigt werden. Zum einen will man natürlich immer die für einen attraktivsten Randfelder besetzten, aber auch gleichzeitig die sich in jeder Runde wandelnden, besten Felder im Inneren. Das wäre schon schwer genug ohne Gegner, aber mit ist es schier unmöglich. Zum einen, da der Gegner oftmals die gleichen Ziele hat. Die attraktivsten Felder (und damit gleich die ganze Reihe oder Spalte) sind schnell belegt, zum anderen ist der Gegenüber ja meist auch nicht blöd und blockiert schon mal gerne (womöglich aus reiner Schadensfreude) ein dringend benötigtes Feld. Das Spiel ist  interaktiv und fordert von den Spielern in jeder Runde den richtigen Mittelweg zu finden zwischen dem Durchsetzen der eigenen Ziele und Blockieren/ Sabotieren der gegnerischen Ziele. Spielt allerdings ein Spieler zu stark auf das Blockieren des Gegners, muss man aufpassen, dass die Partie nicht kippt und das Spiel zu “frustig ” wird. Das ist aber eher die Ausnahme, da vom Blockieren im Zweifelsfall beide nichts haben.

Dadurch, dass sich der innere Bereich der Wüste in jeder Runde verändert und mal mehr, mal weniger Stammes – bzw. Warenkarten ausliegen, muss die eigene Taktik immer wieder angepasst werden. Als Glückskomponente kommt hinzu, dass nicht immer die Stammeskarten nachgezogen werden, die man in seiner Auslage für die Vervollständigung einer Reihe benötigt. Das Risiko ist aber vernachlässigbar.

Bei unseren Partien ist es bislang nur sehr selten vorgekommen, dass der Räuber das Spielende eingeleitet hat, meist war das Spiel schon vorher, durch Vervollständigung einer Auslage, zu Ende. Geübte Spieler bleiben etwas unter der angegebenen Spieldauer von 60 Minuten, wobei schon diese sehr kurzweilig ist, da man permanent ins Spiel eingebunden ist. Insgesamt ein sehr gelungener und anspruchsvoller Vertreter der Kosmos 2-er Reihe, der sich in erster Linie  an die Vielspieler wendet. Ich hoffe es folgen noch mehr solcher Spiele.

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Vielen Dank an den Autor für ein kostenloses Rezensionsexemplar!

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BEWERTUNG ZU ZWEIT

Targi bietet von allem etwas. Eine anspruchsvolle Portion Taktik, ein wenig Glück, ein nicht zu vernachlässigendes Ärgerpotential, eine sich ständig verändernde Spielsituation und eine sehr ansprechende, aufgeräumte Spielgestaltung. Kurzum, Targi ist für mich, nach den schwächeren Spielen aus der Kosmos 2er Reihe der vergangenen Jahre, hinter Jambo, endlich mal wieder ein würdiger Vertreter der Reihe und ein (mit starken 5 Pöppeln) sehr gutes Erstlingswerk von Autor Andreas Steiger. Wer mehr über den bislang unbekannten Autor wissen will, sollte mal hier reinschauen. Andreas Steiger hat sich unverschleiert meinen Fragen gestellt.

5  von 6 möglichen Pöppeln

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TARGI, 5.6 out of 6 based on 18 ratings

Eine Reaktion zu “TARGI”

  1. Thorsten Blaßam 26. März 2012 um 23:28 Uhr

    Ein total geniales Spiel. Ich spiele es momentan häufig mit meiner Freundin und auch mit ihrem Sohn, der 22 ist, habe ich es schon mehrfach gespielt. Meinen Punkte Rekord von 45 hat er mit 46 Punkten heute gebrochen.

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