TARGI – Das unverschleierte Interview mit Autor Andreas Steiger

Auf der Messe in Nürnberg Anfang Februar 2012 wurde das neuste Spiel aus der Kosmos 2er-Reihe „Targi“ vorgestellt. Ich hatte das große Glück , dem bislang unbekannten Autor Andreas Steiger ein paar Fragen stellen zu dürfen.

„15 Fragen und Antworten: Andreas und Andreas!“

1. Hallo Andreas, Dein Spiel „Targi“ aus der Kosmos 2er Reihe ist soeben erschienen. Als Autor bist Du noch ein unbeschriebenes Blatt. Vielleicht könntest Du Dich einfach mal kurz vorstellen.

Gerne, mein Name ist Andreas Steiger. Ich bin 38 Jahre alt, habe eine tolle italienische Frau Antonella, und zwei kleine Söhne Luca (5 Jahre) und Nico (4 Jahre). Ich wohne in Kirchheim/Teck, das liegt in der Nähe von Stuttgart. Beruflich arbeite ich seit vielen Jahren in einem privaten Kindergarten als Erzieher. Neben Brettspielen zählen Videospiele, lesen und DVD Schauen zu meinen Hobbies. Zudem spiele ich seit 7 Jahren leidenschaftlich gerne regelmäßig Improvisationstheater. Unser besonders Improbonbon sind abendfüllende improvisierte Krimis, welche wir regelmäßig vor oft ausverkauften Häusern darbieten. Das macht mir sehr viel Spaß. Ja, und seit neustem bin ich nun also auch Spieleautor.

2. Wie fühlt es sich an, sein erstes eigenes veröffentlichtest Spiel in Händen zu halten?

Das erste eigene Spiel in den Händen zu halten ist schon ein ganz, ganz tolles Gefühl. Von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung sind ja auch ganze zwei Jahre ins Land gegangen, das ist schon eine sehr lange Zeit. Irgendwie freut man sich auch, dass ES endlich, endlich DA ist. Als meine Päckchen mit dem ersten eigenen Exemplar Anfang Februar bei mir zu Hause eingetrudelt sind, habe ich mich nochmal ganz feste zusammengerissen und gewartet bis die Kinder am Abend im Bett waren, um das erste Spiel ganz in Ruhe auspacken zu können. Da lief mir dann schon ein kleiner Schauer über den Rücken, denn TARGI ist ja wirklich sehr schön geworden. Mein Frau und ich haben es dann am selben Abend gleich wieder gespielt. Und was soll ich sagen? Trotz unzähliger Testspiele hat es uns gleich wieder Spaß gemacht, was natürlich ein sehr gutes Zeichen ist und klar für die Qualitäten von Targi spricht. Das macht einen schon stolz.

3. Wie kamst Du auf die Spielidee von „Targi“ und wie lange hat es gedauert, das Spiel zu entwickeln?

Ich hatte schon länger den Wunsch eine eigenes Spiel zu machen, mehrere Ideen hin und her geschoben und sie wieder verworfen. Dann habe ich mich hingesetzt und eine Liste gemacht was mir denn eigentlich bei meinem ersten eigenen Spiel wichtig wäre und was es beinhalten sollte. Folgende Punkte habe ich mir notiert:

1) Es muß mir selber Spaß machen und ich muss es gerne spielen wollen!
2) Es soll ein Workerplacementspiel mit einem neuartigen Pfiff sein!
3) Es soll ein sich veränderndes Spielfeld haben!
4) Es soll sehr gut zu zweit spielbar sein!
5) Jedes Spiel soll sich ein bisschen anders entwickeln!
6) Es soll eine ausgewogene Mischung aus Glück und Strategie haben!
7) Es sollte ein Spiel mit Karten oder Plättchen sein!

Mit dieser Liste gingen plötzlich die Überlegungen zum Spiel viel einfacher von der Hand, so das ich den Kernmechanismus des Spieles, das Einsetzprinzip der Spiefiguren, welches gleich drei Effekte auf einmal beinhaltet, am gleichen Abend fertiggestellt hatte. Wie ich zum Thema kam, ist eigentlich recht witzig, ich hatte eben zu dieser Zeit mir endlich die langersehnten Tiermeeples für Agricola zugelegt, so das ich die weißen, braunen und schwarzen Holzwürfel des Spiels nun zur Verfügung hatte. Damals hatte ich noch kaum Material für meinen Prototypen (Targi war mein Erstlingswerk), so das ich mir dachte, die kann ich doch als Warenwürfel benutzen. Ich stellte mir die Frage was diese denn symbolisieren könnten und dachte mir, weiß könnte Salz oder Zucker sein, braun Datteln und schwarz Pfeffer oder Leder. Dann habe ich ein bischen gegoogelt ob es Völker gab/gibt, welche mit eben diesen Waren gehandelt haben. Und siehe da, es gab eines, die Tuareg (so hieß das Spiel auch ursprünglich). Einen einzelnen männlichen Tuareg nennt man Targi, daher der Name.
Vom ersten Entwurf von Targi im Februar 2010, über die Zusage des Kosmosverlages im Febrauer 2011, das Spiel zu veröffentlichen bis hin zur Präsentation von Targi jetzt in Nürnberg 2012 sind ganze zwei Jahre vergangen.

4. Targi ist ein reines 2-Personen Spiel. War es von Anfang an klar, dass das Spiel nur für 2 ist oder gab es auch andere Optionen?

Im Normalfall spielen beim Spielabend meine Frau und ich zu zweit unsere Brettspiele, deshalb kommen für mich nur Spiele in Frage welche auch zu zweit funktionieren. Deshalb bin ich auch ein großer Fan der Brettspieloase ; – )
Bei Targi hat sich sehr schnell herausgestellt, dass es ein optimales Zweipersonenspiel darstellt, deshalb habe ich gar nicht großartig versucht, es zu einem Mehrpersonenspiel umzubauen. Da es nicht sehr viele Verlage gibt, welche reine Zweipersonenspiele veröffentlichen, ist es natürlich schwieriger ein reines 2er Spiel unterzubringen.
Um so glücklicher bin ich natürlich, dass Targi beim Kosmosverlag untergekommen ist, dem Verlag mit der berühmtesten „Spiele für Zwei“-Reihe überhaupt, welcher schon viele tolle Zweierspiele herausgebracht hat. Als es noch nicht klar war ob ein Verlag Targi haben will, habe zu meiner Frau gesagt: „Sollte es kein Verlag wollen, dann haben wir eben ein super Spiel nur für uns beide ganz alleine“.

5. Wie testest Du Deine Spiele? Hast Du einen festen Spielekreis?

Bei Targi, als reines 2-Personenspiel, habe ich die meisten Testspiele mit meiner Frau durchgeführt, was natürlich herrvorragend funktioniert, da man seinen Testspieler eigentlich fast immer direkt im Haus hat und einfach mal abends kurz die neuste Veränderung am Spiel ausprobieren kann. Mittlerweile besuche ich aber auch regelmäßig den Spieleautorentreff der SAZ Süddeutschland, wo wir als Spieleautoren unsere Prototypen miteinander testen. Zudem habe ich auch direkt zu Autorenkollegen aus der Region Kontakt zum Testspielen. Ansonsten hohle ich mir Freunde ins Haus. Bevor ein Spiel zu einem Verlag geht, lasse ich es aber noch von Leuten aus Spieleclubs testen, welche mich nicht persönlich kennen.

6. Was stand in der Entwicklung des Spiels (von Spielen) im Vordergrund: Spielthema oder Spielmechanismus?

Bei mir ganz klar der Mechanismus, wenn der nicht funktioniert, hilft das schönste Thema nicht viel.

7. Hat der Verlag noch wesentlich in die Entwicklung des Spiels eingegriffen?

Das schöne bei Targi ist, das der Verlag kaum Veränderungen vorgenommen hat. Als mich der Redakteur anrief, sagte er: „Wir lassen es so wie es ist! Thema super, Mechanismus super, Setting super, Name super. Da ändern wir nichts!“
Das ist schon die ganz große Ausnahme, und da bin ich auch sehr stolz darauf. Den ursprünglichen Namen Tuareg mußten wir dann doch noch aus anderen Gründen ändern. Ansonsten kann ich die wesentlichen Veränderungen an einer Hand abzählen:

– Die Anzahl der Stammeskarten wurde von 90 auf 45 reduziert. Das waren dann schon langwierige Überlegungen: welche Karten bleiben drin, welche fliegen raus?
– Es gab ursprünglich noch bis zu zwei Handlanger des Räubers, welche auf den Mittelkarten ihr Unwesen trieben. Diese konnte man nur vertreiben, wenn die Schnittpunkte aller drei Targifiguren auf eine so blockierte Karte trafen, das wurde von den Testspielern des Verlages als zu frustig und schwierig empfunden.
– Die Siegpunkte, welche man durch das Tauschen von Waren beim Silberschmied bekommt, wurden erhöht, da war ich als Schwabe wohl zu sparsam und die Karte wurde im ursprünglichen Zustand kaum genutzt.
– die Funktion der Randkarte Fata Morgana wurde verändert. Ursprünglich konnte man damit drei frei ausliegende Mittelkarten austauschen, das wurde auch nicht genutz, da man damit ja auch unter Umständen dem Gegner hilft. An dieser Karte haben wir lange herumgedoktort, die jetzige geniale Funktion des Versetzten des Stammesmarkers kam dann von meinem fantastischen Redakteur Wolfgang Lüdtke, der auch die Kartentexte überarbeitet und sprachlich verbessert hat.
– Ansonsten gab es lediglich noch ein bisschen Feinschliff.

8. Was macht für Dich ein gutes Spiel aus bzw. wo siehst Du die Stärken von Targi?

Ein Spiel ist für mich ein gutes Spiel wenn:

– man Entscheidungen zu treffen hat, welche den Verlauf des Spieles ändern, also ich spiele das Spiel und nicht das Spiel spielt mich,
– es den Spieler für besonders gelungene Coups belohnt,
– es verschiedene Strategien zum Sieg gibt,
– es immer ein bisschen anders verläuft,
– man nicht nebeneinander her spielt, sondern mit- bzw. gegeneinander spielt. Was ich tue, hat auch Auswirkungen für meine Mitspieler (also kein Mehrpersonensolitär).

Targi erfüllt meiner Meinung nach alle diese Punkte.

9. Hast Du ein paar Insidertipps, wie man Targi am Besten erfolgreich spielt ; – ) ?

Hm, schwierig! Da durch Karten in der eigenen Auslage ja Wechselwirkungen entstehen, kommte es eben immer darauf an was man angebaut hat. Ich denke, der Trick ist, die angebauten Karten auch zu nutzen, so dass sie aktive Karten werden und nicht passiv bleiben. Tja und die Bonuspunkte für die angebauten Reihen sollte man auch nicht unterschätzen. Zudem kommt es natürlich auch darauf an, was der Mitspieler so treibt, so dass man dessen Pläne ab und zu durchkreuzen sollte. Hm, ich glaube ich habe es auch noch nicht wirklich rausgefunden, sorry!
Habe aber noch einen Tipp für Targiprofis. Wenn Ihr das Spiel schon öfters mal gespielt habt und den Schwierigkeitsgrad erhöhen wollt, empfehle ich die Anfangsverteilung der Güter (je zwei Waren pro Sorte und ein Gold) einfach je nach gewünschtem Schwierigkeitsgrad zu reduzieren. Je weniger man am Anfang verteilt, um so schwieriger wird das Spiel.

10. Wie bist Du grundsätzlich zum Spielen gekommen. Gab es ein auslösendes Ereignis oder ein besonderes Spiel?

 Ich würde den Fokus lieber darauf legen, wie ich vom Gelegenheitsspieler zum Vielspieler wurde, denn das war für mich spieletechnisch der wesentlich entscheidendere Moment.
Entstanden ist meine Leidenschaft für Brettspiele durch die Schwangerschaft meiner Frau mit unserem ersten Sohn. Als sie dann schon hochschwanger war und wir nicht mehr so viel durch die Gegend ziehen konnten, suchten wir nach einer Alternative zum nur Lesen und Fernsehnschauen und haben ein paar Spiele aus dem Schrank gekramt, Carcassonne und so. Das hat uns irgendwie gepackt, ich bin dann losgezogen und habe einfach ein paar aktuelle Spiele gekauft und war überrascht, wie viele tolle Spielmechaniken und Spielideen es gibt. Dadurch sind wie zu Spielefans geworden. Mittlerweile spielen wir mindesten an zwei bis drei Abenden die Woche und haben ca. 300 Spiel im Schrank (Tendenz steigend).

11. Welche Art von Spiele magst Du am liebsten?

Worker Placement Spiele und Spiele, wo man etwas aufbaut und nicht zerstört. Was ich nicht mag, sind Mangelspiele, Kriegsspiele, Aktienspiele und Versteigerungsspiele.

12. Hast Du im Moment einen aktuellen Favoriten?

Ich habe viele Lieblingsspiele, und es kommt auch immer darauf an, auf welches Spiel ich gerade am jeweiligen Abend Lust habe, aber trotzdem ist mein momentaner Favorit ganz klar Trajan.

13. Wie siehst Du die aktuelle Entwicklung der Spielbranche hin zu den elektronischen Brettspielen und den Apps für das Smartphone? Ist das eine Alternative zu den klassischen Brettspielen?

Ich hoffe, dass es zu einer Rückführung zu den klassischen Brettspielen wird. Dass jemand, der gerade Carcassonne als App gespielt hat, Lust bekommt und sagt: „Jetzt will ich das mal in echt spielen.“ Eine echte Alternative ist es meiner Meinung nach nicht.

14. Welches Spiel hättest Du gerne erfunden und warum?

Dominion, 7 Wonders, Jambo und San Juan. Weil alle vier dieser Spiele, je nachdem welche Karten man in der Auslage bzw. im Kartenstock hat, Wechselwirkungen auf das ganze Spiel haben und somit eine große Flexibilität und Varianz erzeugen, und so etwas liebe ich bei Spielen.

15. Kannst Du schon einen Ausblick geben, was zukünftig von Dir zu erwarten ist?

Momentan liegt der Prototyp eines weiteren Zweierspiels bei einem Verlag zur Ansicht, eine Spielidee zu einem Kinderspiel bei einem Verlag zur Begutachtung und ich arbeite aktuell an einem Legespiel für 2-5 Personen, welches sich im fortgeschrittenem Stadium befindet. Zudem hätte ich da noch eine fix und fertige Erweiterung für Targi in meiner Schreibtischschublade liegen, mit vielen neuen und schönen Ideen, aber dass diese ein Chance bekommt, veröffentlicht zu werden, da müsste sich Targi schon sehr, sehr gut verkaufen….

Vielen Dank Andreas, dass Du Dir die Zeit  für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen genommen hast. Ich wünsche Dir für das vielversprechende Spiel „Targi“ den entsprechenden (Verkaufs-)Erfolg und für die Zukunft noch viele tolle Spielideen und Umsetzungen. Ich hoffe, wir werden noch viel von Dir hören.

Wer wissen will, wie das Spiel TARGI im Test weggekommen ist, darf gerne hier weiterlesen.

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One thought on “TARGI – Das unverschleierte Interview mit Autor Andreas Steiger

  1. In diesem Urlaub hat das Spiel Targi uns gepackt. Nun spielen wir es täglich. Wie erläutert wird es nicht langweilig, da sich der Spielplan ständig ändert. Wir kennen kein anderes 2-Personenspiel, dass so interaktiv ist.
    Nur über eine Regel können wir uns nicht einigen. Fällt eine Ware, die man über die ‚Karawane‘ erhält, unter fir Regeln ‚in jeder Runde in der Du durch Warenkarten… ‚?

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