TOURNAY

VERLAG : Pearl Games

JAHR : 2011

SPIELER : 2-4

ALTER : ab 12 Jahren

DAUER : ca. 45-60 Min.

AUTOR : Sebastien Dujardin, Xavier Goerges, Alain Orban

SPIELBESCHREIBUNG

Troyes, eine mittelalterliche Stadt in Belgien, dessen Aufstieg wir in diesem Spiel mitbegleiten und mitlenken. Moment !! Irgendwas ist falsch. Die Grafik sieht aus wie bei Troyes! Es sind die Autoren von Troyes! Es ist der Verlag von Troyes! Es geht darum eine Stadt in Belgien bei ihrem Aufstieg zu begleiten und die Geschicke einzelner Stadtteile zu lenken. Wie bei Troyes!  Es gibt jede Menge Karten, wie bei Troyes! Aber letztendlich ist es nicht Troyes! Warum? Geografisch sind wir doch tatsächlich um ein paar Kilometer verrutscht. Tournay heißt das Städtchen, um dass es diesmal geht. Es gibt auch keine Würfel und kein Spielbrett, wie bei Troyes. Bei Tournay handelt es sich um ein reines Kartenspiel, dass sich, dass nehme ich schonmal vorneweg, trotz thematischer Vertrautheit  anders spielt als sein Vorgänger.

Spieleinstieg:

Kern des Spiels sind die 90 Aktivitätskarten, unterteilt in 3 Stufen und 3 unterschiedliche Typen zu dessen Einwohnern sie zugeordnet werden (Bürger, Kleriker und Adlige).Für jeden Einwohnertyp gibt es 3 Stapel mit 3 Stufen zu je 10 Karten. Jeder dieser Stapel wird getrennt voneinander in der Tischmitte verdeckt bereitgelegt.

Darüber werden die Einwohner platziert. 3 Stück jeder Farbe ( in der Fortgeschrittenenversion 5 Stück). Von den 15 Ereigniskarten werden 3 offen ausgelegt. Jeder Spieler bekommt 6 Denar und eine Stadtplatzkarte. Darauf werden 2 Einwohner jedes Typs platziert. (in der Fortgeschrittenenversion nur Einer).

Jeder der 9 Kartenstapel beinhaltet eine Karte Stadtschreier und unterschiedliche einfache Gebäude und Personenkarten. In Stufe 3 gibt es nur noch Prestiggebäude und keine Personen mehr.

Spielverlauf:

Wer am Zug ist kann von mehreren möglichen unterschiedlichen Aktionen eine auswählen. Zuvor hat man jedoch immer die Möglichkeit eine Karte von der Hand (die zu Beginn leer ist) in die eigene Auslage zu legen. Die eigene Auslage besteht aus einem Stadtteil mit der Größe von 3 x3 Karten. Das Auslegen von Karten kostet den auf den Karten aufgedruckten Preis. Nur ausgelegte Karten können in der Folge über Aktionen genutzt werden und bringen am Spielende die nötigen Siegpunkte. Sind alle Felder der eigenen Auslage mit Karten belegt, kann auch überbaut werden. Überbaut man mit Karten des gleichen Typs,bleiben diese darunter liegen und bringen Punkte am Spielende. Überbaut man mit Karten eines anderen Typs wird die Karte darunter entfernt.

Hat man also eine Karte ausgelegt oder darauf verzichtet gibt es folgenden möglichen Aktionen ( 5 (6 in der Fortgeschrittenversion)) wie folgt:

Man kann eine verdeckte Karte ziehen und auf die Hand nehmen. Dazu sucht man sich einen der 9 Stapel in der Tischmitte aus und zieht entweder 2 verdeckte Karten, von denen man sich eine aussucht und die andere offen oben auf den Stapel legt oder man nimmt sich eine offene Karte. Je nach Kartentyp und Stufe muss man dafür unterschiedlich viele eigenen Einwohner einsetzten. Will man z.B. eine Karte der Stufe 3 des Adels,  braucht man auch 3 Einwohner des Adels, die dann erstmal nicht mehr zur Verfügung stehen.

Alternativ ist es möglich ein Gebäude der eigenen Auslage mit einem Einwohner zu aktivieren und die entsprechende Gebäudefunktion zu nutzen. Auch hier gilt, ein Gebäude eines bestimmten Typs (Adel, Kleriker oder Bürger) braucht einen entsprechenden Einwohner zur Aktivierung. Danach steht der Einwohner erstmal nicht mehr zur Verfügung. Über die Gebäude gibt es diverse Vorteile. Geld, zusätzliche Einwohner, Siegpunkte oder Vereinfachungen um an neue Karten zu kommen. Personen in der eigenen Auslage muss man nicht gesondert aktivieren. Diese haben meist Wechselwirkungen mit anderen Karten in der Auslage.

Wer weder Karten ziehen noch aktivieren will oder kann, kann auch eines der ausliegenden Ereignisse bekämpfen. Die Ereignisse im Spiel haben meist negative Auswirkungen auf die Spieler und deren Bekämpfung bringt Siegpunkte und Schutz vor  weiteren Ereignissen. Um ein Ereignis zu bekämpfen braucht man in der Regel Geld oder Einwohner oder Beides.

Hat man ein Ereignis erfolgreich bekämpft wird die Karte umgedreht und wird zur Stadtmauer für den Spieler. Allerdings kommt die Karte erstmal auf die Hand. Danach wird ein neues Ereignis aufgedeckt. Am Ende der Aktionsphase eines Spielers dürfen nur max. 4 Karten auf der Hand verbleiben (inkl. Stadtmauern).

Fehlt es den Spieler an Geld oder Einwohner kann man alternativ weitere Aktionen nutzen. Pro 2 Einwohner eines Typs bekommt man 2 Denar. Die Einwohner sind dann erstmal nicht mehr nutzbar.

Hat man auf seinem Stadtplatz keine Einwohner mehr, kann man über die Aktion „Versammeln“ alle verbrauchten Einwohner wieder zurückholen.

In der Fortgeschrittenenvariante des Spiels ist es zudem möglich für 5 Denar und unter Nutzung eines Einwohners eines Typs einen weiteren Einwohner aus dem Vorrat des gleichen Typs anzuwerben. Im Grundspiel geht dies nur über bestimmte Gebäudekarten.

Man kann auch Einwohner des gegnerischen Spielers für eine Aktion nutzen. Der Gegner bekommt dafür 2 Denar pro Einwohner.

Wird während des Nachziehen von Karten aus dem Vorrat eine Stadtschreierkarte aufgedeckt (eine ist zufällig in jedem Stapel) wird das Spiel kurz unterbrochen und die offen ausliegenden Ereignisse finden statt. Dazu wird auf jede Ereigniskarte eine Münze gelegt und die Karten nacheinander ausgewertet. Jedes Ereignis tritt so oft auf, wie Münzen darauf liegen. Jetzt hat man die Möglichkeit Stadtmauern von der Hand zu spielen, um sich vor einzelnen Ereignissen zu schützen.

Nachdem die Ereignisse durchgeführt wurden, bleiben diese weiterhin aktiv, solange bis ein Spieler das Ereignis bekämpft. Wird die nächste Stadtschreierkarte aufgedeckt kommen weitere Münzen hinzu und die Ereignisse finden erneut statt.

Negative Ereignisse sind Geldverlust, Einwohnerverlust (bis zur Wiederversammlung) und Sperrung von Aktionskarten in der eigenen Auslage.

 –

Spielende:

Um das Spielende einläuten zu können müssen 2 Bedingungen erfüllt sein. Ein Spieler muss seine 3×3 große Auslage komplett belegt haben und mindestens 2 Prestiggebäude der Stufe 3 gebaut haben und es müssen mehr Stadtschreier als Spieler teilnehmen, aufgedeckt worden sein. Alternativ kann es auch ausreichen, wenn Bedingung 1 von beiden Spielern erfüllt wurde. Das Spielende tritt dann ein, wenn  die Bedingungen zu Beginn des Zuges des Startspielers erfüllt sind. Danach darf jeder Spieler noch eine verdeckte Karte aus der Hand spielen und Regelgerecht in der Auslage unterbringen.

Jetzt werden die Siegpunkte der Karten in der eigenen Auslage gezählt und die Punkte der Prestiggebäude addiert. Prestiggebäude zählen immer für beide Spieler und bringen Punkte für bestimmte Karten, Personen oder Einwohner die man hat. Dabei bekommt der Spieler der das Gebäude gebaut hat einen höheren Verrechnungsatz als der Gegner.

SPIELGEFÜHL

Tournay hat bei uns ein interessantes Phänomen ausgelöst. Wir haben das Spiel im letzten halben Jahr wiederholt gespielt. Mal mit kurzen Pausen , mal mit langen Pausen dazwischen und manchmal auch gleich zweimal hintereinander. Immer trat das gleiche Problem auf. Man meint die Spielregeln zu kennen und das Spiel Ruckzuck wieder spielen zu können. Schließlich haben alle Karten eine klare Symbolik und es gibt zudem ein großes Übersichtsblatt für jeden Spieler wo die Symbolik der Karten nochmal erklärt ist. Trotzdem trat der Fall auf, dass wir immer wieder Schwierigkeiten mit der Bedeutung von Karten und Symbolen hatten (und haben) und mühsam wieder nachlesen mussten, wie was zu handhaben ist. Offensichtlich ist die Kartensymbolik nicht so intuitiv wie sie es gerne sein will oder vorgibt zu sein. Das führt regelmäßig dazu, dass das Spiel etwas holprig daher kommt und den Spielfluss hemmt. Den eigentlich ist Tournay ein schnelles und leicht verständliches Spiel.

Ansonsten gibt es aber am Spiel nicht viel zu meckern. Ich mag es trotz der Widrigkeiten und spiele es immer wieder gerne. Warum?

Weil das Spiel einem ziemlich viel bietet. Kein Spiel gleicht dem Anderen. 90 unterschiedliche Gebäude und Personenkarten, die in jedem Spiel zudem noch in einer anderen Reihenfolge ins Spiel kommen, sorgen für immer wiederkehrende Abwechslung im Spiel. Eine Strategie die in der einen Partie funktioniert hat, kann in der nächsten Partie völlig daneben liegen. Karten in der eigenen Auslage können durch Kombination von Personen und Gebäudekarten schöne Aktionsketten auslösen, über die man sich bei Gelingen freuen kann.

Die Ereigniskarten mit ihren Auswirkungen, die über bestimmte Gebäudekarten nur für den Gegner aktiviert werden können, Prestiggebäude die immer beiden Spielern Punkte bringen und die Möglichkeit gegnerische Einwohner mitnutzen zu können bringen zudem einen richtigen Duellcharakter ins Spiel und sorgt für Interaktion. Alle Spiele gingen immer relativ knapp aus. Ein Punkt hier verschenkt oder dort gewonnen kann manchmal entscheidend sein.

Hat man die Einstiegshürde der Kartensymbolik erstmal überwunden und kleine Regeltechnische Feinheiten verstanden (ich hoffe immer noch , dass es bei mir irgendwann Klick macht und alles dauerhaft klar ist) steht einem soliden und schönem Kartenspiel mit lang anhaltendem Spielreiz nichts mehr im Wege. ich würde das Spiel immer in der Fortgeschrittenenvariante spielen. Diese fordert die Spieler noch ein wenig mehr ohne das Grundprinzip des Spiels auf den Kopf zu stellen.

 


BEWERTUNG ZU ZWEIT

Tournay ist ein schönes Aufbaukartenspiel mit einigen taktischen Raffinessen, etwas Kartenglück und einer kleinen Note Ärgerpotential. Alles im allem ein gelungener Nachfolger von Pearl Games Erstlingswerk Troyes. Das Regelwerk ist grundsätzlich nicht kompliziert. Durch die Vielfalt von unterschiedlichen Kartentypen und der nicht immer intuitiven und eindeutigen Symbolik ist die Einstiegshürde etwas höher als nötig. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt ein Spiel mit hohem Langzeitspielreiz. Ich spiele es immer wieder gerne, auch wenn der Einstieg selbst nach dem x-ten Spiel immer noch  etwas holprig ist.

4,5  von 6 möglichen Pöppeln

GD Star Rating
loading...
FacebookTwitterGoogle+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*