HATTRICK

 

 

VERLAG : UnpluggedHattrick Schachtel

JAHR : 2014

SPIELER : 2

ALTER : ab 14 Jahren

DAUER : ca. 45-90 Min.

AUTOR : Patryk Kowalski

SPIELBESCHREIBUNG

Hattrick Übersicht„Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt. Wir kämpfen und geben Alles, bis dann ein Tor nach dem andern fällt“. Welcher Fußballfan kennt diese Liedzeilen nicht. Die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien ging gerade erst erfolgreich zu Ende und die neue Bundesliga-Saison hat begonnen. Wer würde nicht gerne die schönsten Spiele der WM nachspielen oder seinen Lieblingsverein in der Bundesliga zum Sieg verhelfen. Sind wir nicht alle ein wenig Fußballtrainer? Im Kartenpiel „Hattrick“ des Autors Patryk Kowalski können wir es jedenfalls sein.

Spieleinstieg:

Hattrick besteht insgesamt aus 110 Spielkarten. Jeder Spieler hat neben seinen 10 Feldspielern und 6 Torhüterkarten, einen ganzen Stapel an Aktionskarten (32) zur Verfügung. Hinzukommen noch für beide Spieler gemeinsam 9 Torschusskarten.

Die Startaufstellung der Manschaften werden durch das Spiel vorgegeben. Man muss es sich ein wenig wie das Taktikbrett des Trainers vorstellen. Jeder Offensivspieler der einen Mannschaft ist einem Abwehrspieler der anderen Mannschaft zu Beginn zugeordnet. So sehen die Karten im übrigen auch aus. Ganz schlicht. Ein Trikot mit der Spielernummer und die spielerische Stärke des Spielers in Form von Bällen in Bezug auf Abwehrverhalten und Offensivqualitäten.  Steht  die Hattrick SpielkartenFeldmannschaft, werden die 6 Torhüterkarten gemischt und verdeckt auf die Torhüterposition als Stapel plaziert. Die 32 Aktionskarten pro Spieler werden ebenfalls gemischt und als verdeckter Stapel bereitgelegt. 3 Karten davon nimmt jeder Spieler zu Beginn der Partie auf die Hand. Die 9 Torschusskarten werden nach Farben sortiert als 3 verdeckte Stapel neben dem Spielplan bereitgelegt.

2 Mannschaften, ein Ball,  jede Menge taktische Entscheidungen und eine gute Portion Glück sind von Nöten um als Sieger vom Platz zu gehen. Wie im wahren Leben geht das Spiel über 2 Halbzeiten und wer mehr Tore schießt gewinnt. Als Zeitmesser dienen die Aktionskarten. Sobald beide Trainer alle ihre Aktionskarten ausgespielt haben endet eine Halbzeit. Klingt alles ganz einfach, ist es aber nicht.

Der Startspieler bekommt den Ball und darf den Anstoß ausführen. Los geht´s!

Spielverlauf:

Zu Beginn jeder Runde spielen beide Trainer gleichzeitig eine Aktionskarte von der Hand verdeckt aus und ziehen eine neue Karte vom eigenen Nachziehstapel nach um die Kartenhand wieder auf 3 Karten zu ergänzen. Danach werden beide Karten aufgedeckt.

Was bewirken die Aktionskarten?

Als 1. Schritt darf der Startspieler einen seiner Spieler um eine Kartenreihe nach vorne oder nach hinten verschieben (ohne dabei die Stärken der einzelenen Spieler berücksichtigen zu müssen). Allerdings können nur Spieler verschoben werden die ihre Bälle auf der Karte auf der gleichen Seite wie die ausgespielte Aktionskarte haben. Sowohl die einzelnen Aktionskarten, als auch die Spieler haben immer nur auf einer Seite ihre Bälle. Der ballführende Spieler darf nie verschoben werden. Schiebt man eine Karte eine Kartenreihe weiter, rutscht der bisher dort liegende Spieler auf das entsprechend freigewordene Feld.

Im 2.Schritt muss der Startspieler den Ball von seinem ballführenden Spieler an den nächsten Mitspieler in der gleichen Reihe weitergeben, sozusagen einen Pass spielen. Sollte kein Mitspieler in der Reihe vorhanden sein bleibt der Ball beim ballführenden Spieler.

Im 3.Schritt darf der Gegner dann nach dem gleichen Prinzip den Schritt 1 durchführen. Es ist auch möglich die Spielbewegung des Startspielers in Schritt 1 wieder rückgängig zu machen.

Hattrick PässeErst jetzt wird der eigentliche Spielzug des ballführenden Spielers auf der ausgespielten Aktionskarte ausgeführt. Die Aktionskarten zeigen 3 unterschiedliche taktische Möglichkeiten ( kurzer und langer Pass und Dribbling)

A: Kurzer Pass

Beim kurzem Pass werden die Spielstärken der Spieler in der Reihe miteinander verglichen, in der der ballführende Spieler steht. Haben die angreifenden Spieler mehr Bälle auf Ihren Karten als die verteidigenden Spieler kann der kurze Pass ausgeführt werden. Nicht zu vergessen ist aber, dass die Bälle auf den ausgespielten Aktionskarten noch hinzukommen (1-4). Ist der kurze Pass erfolgreich landet der Ball in der nächsten Reihe beim Mitspieler mit der kleinsten Rückennummer. Scheitert der Pass jedoch, landet der Ball beim Gegner in der Reihe, in der die Spielstärken verglichen wurden, beim Spieler mit der kleinsten Rückennummer. Sollten die Stärken beider Mannschaften gleich sein kommt es zu einem Foul der verteidigenden Mannschaft, mit entsprechenden Folgen (Gelbe Karte, Freistoß oder Elfmeter).

B: Langer Pass

Der lange Pass funktioniert genauso, wie der kurze Pass, mit der Ausnahme, dass nicht die Spielstärken in der Reihe des ballführenden Spielers verglichen werden, sondern in der Reihe wo der lange Pass ankommen soll. Der Ball kann wahlweise 1-3 Reihe nach vorne bewegt werden.

C: Dribbling

Das Dribbling ist eine 1 zu 1 Situation. Der ballführende Spieler vergleicht seine Stärke mit dem Verteidiger der nächst höheren Reihe, der genau über im liegt. Gelingt das Dribbling, werden die Plätze der beiden Spieler getauscht. Sollte in der Reihe davor ein eigener Mitspieler stehen, wird der Ball an diesen weitergegeben. Gewinnt der Verteidiger wird der Ball abgenommen und die Spieler bleiben auf Ihren Plätzen.

Hat man das gegnerische Mittelfeld erfolgreich durchlaufen und die letzte Abwehreihe des Gegners mit dem Ball erreicht wird es ernst. Es kommt zur Torchance.

Die Torchance startet wie eine normale Runde mit den Schritten 1- 3 mit dem Unterschied, dass die Kartenhand nicht wieder ergänzt wird und der ballführende Spieler durch den Verteidiger direkt angegriffen werden kann.

Die ausgespielten Aktionskarten haben jetzt eine direktere Wirkung. Ein kurzer und ein langer Pass kommen immer an. Es darf jetzt auch diagonal gespielt werden (Rückpässe sind natürlich möglich). Die Abwehrreihen sind bereits umspielt. Beim Dribbling kommt es zum unmittelbaren Torschuss.

Ist der Spielzug auf der ausgespielten Aktionskarte erfolgreich ausgeführt worden und der ballführende Spieler steht danach in den ersten beiden Reihen vor dem Torwart kommt es immer zum Torschuss. Sollte der Spielzug auf der Aktionskarte mangels entsprechender Mitspieler auf die der Pass hätte kommen sollen oder weil der Rückpass in die  dritte Reihe ging, nicht vollständig ausgeführt worden sein, scheitert der Angriff, aber die angreifende Mannschaft bleibt im Ballbesitz und es wird eine weitere Handkarte ausgespielt und somit die nächste Torchance gestartet.  Dies geht solange weiter, bis keine Handkarten mehr vorhanden sind. Danach ist der Angriff endgültig gescheitert.

Torschuss:

Jetzt kommen die Torhüter und die Torschusskarten, die zu Spielbeginn in 3 Stapeln zur Seite gelegt wurden, ins Spiel. Die Aktionskarten haben unterschiedliche Farben. Entsprechend der zuletzt ausgespielten Aktionskarte wird vom angreifenden Spieler eine passende Torschusskarte aus dem Stapel ausgewählt. Gleichzeitg spielt der verteidigenden Spieler eine seiner Torhüterkarten verdeckt aus. Danach Hattrick torwerden beide Karten aufgedeckt. Um festzustellen wie gut der Torschuss ist, werden Torhüterkarte und Torschusskarte jetzt passend aufeinander gelegt. Der Torchuss hat die Stärke der Bälle der zuletzt ausgespielten Aktionskarte plus den Wert der Hattrick torwartTorschusskarte (hier +2). Die Abwehrstärke des Torwarts hängt von der Position des Spielers ab, der den Schuss abgibt und von der Schussrichtung  auf das Tor. Steht der Spieler direkt vor dem Tor, ist die Abwehrkraft geringer, als wenn der Schuss von außen oder aus der zweiten Reihe abgegeben wird. Der Torhüter darf soviele Aktionskarten vom eigenen verdeckten Nachziehstapel aufdecken und die Bälle zusammenzählen, wie auf der Torhüterkarte an der entsprechenden Stelle angegeben ist. Je nach Schussrichtung ( + oder -) darf eine Karte mehr oder weniger Aufgedeckt werden. Hat der Torhüter jetzt weniger Bälle als der Angreifer fällt ein Tor. Hat der Torhüter mehr Bälle ist die Torchance vereitelt und es kommt zum Abschlag. In beiden Fällen beginnt eine neue Runde und die Handkarten werden wieder auf 3 ergänzt. Beim Abschlag fliegt der Ball in eine der 3 ersten Reihen vom Torhüter aus gesehen, je nachdem welche Aktionskarte der angreifende Spieler für die nächste Runde ausspielt ( z.B. langer Pass in Reihe 3).

Sollten Angreifer und Torhüter beim Torschuss gleich viele Bälle haben, wird der Ball vom Torhüter nur in die erste Reihe abgeklatscht und eine weitere Torchance  entsteht (die Handkarten werden wieder auf 3 ergänzt).

Freistöße und Elfmeter:

Wie bereits beschrieben kann es in seltenen Fällen zu Freistößen oder gar Elfmetern kommen, nämlich dann, wenn in einem Spielzug beide Manschaften gleich stark sind. Dann begeht der Verteidiger ein Foul und es kommt zur gelben Karte (wenn es die zweite ist, auch zu einer Roten Karte).  Ein Freistoß wird ähnlich dem Anschlag abgehandelt. Ein Elfmeter entsteht, wenn durch das Foul eine Torchance vereitelt wird, die der Angreifer auf den 2 Feldern direkt vor dem Torwart hätte ausführen können. Der Elfmeter funktioniert wir ein Torschuss, nur das das der Torhüter nur eine Aktionskarte aufdecken darf.

Spielende:

Das Spiel endet, wie bereits erwähnt nach 2 Halbzeiten. Eine Halbzeit endet, wenn beide Spieler ihren Vorrat an Aktionskarten komplett aufgebraucht haben. Im Falle eine Unentschiedens ist es möglich eine „Verlängerung“ in Form einer dritten Halbzeit zu spielen.

SPIELGEFÜHL

Hattrick ist komplex und sicherlich kein Spiel für zwischendurch. Das recht umfangreiche Regelwerk will erlernt werden. Erst nach mehreren Partien weiß man die taktischen Möglichkeiten richtig zu nutzen. Das ausgeklügelte Spielsystem ist hoch interressant und ich ziehe den Hut vor dieser Entwicklungsarbeit. Alle Rädchen passen ineinander und sind wahrscheinlich speziell für dieses Spielthema entwickelt worden und passen genau ins System. Nichts daran wirkt aufgesetzt. Das Material ist von guter Qualität, die Grafik funktional und übersichtlich. Man bekommt für sein Geld ein gut funktionierendes und forderndes Spiel.

Trotzdem bin ich mit dem Spiel nicht richtig warm geworden. Woran liegt das? Hattrick versteht sich mit all seinen vordergründigen Möglichkeiten  eigentlich als taktisches Zweipersonenspiel. Diese Möglcihkeiten werden dann aber im Spielverlauf durch Glück und Zufall sehr eingeschränkt. Die Kartenhand aus 3 Aktionskarten und das zufälligen Nachziehen der Karten macht viele Spielzüge schon auf halben Wege zur Nichte, weil einfach nicht die passenden Karten kommen wollten. Gleiches gilt beim Torschuss. Der Torhüter zieht die Karten zufällig vom Stapel nach. Mit Glück zieht er 2 hohe Karten und macht den aussichtsreichsten Angriff kaputt und umgekehrt. Das ist mir an der Stelle dann zu beliebig, zuwenig beeinflussbar, dafür das ich viel Aufwand betreiben musste um soweit zu kommen.

Hattrick MannschaftenDer zweite Punkt, der mich persönlich gestört hat ist die fehlende Emotion, die Fußball doch irgendwo ausmacht. Das Spiel geht sehr langsam und ruhig von statten. Man spielt Karte um Karte aus, verschiebt eine Karte nach vorne oder nach hinten. Es baut sich nur ein geringer Spannungsbogen auf und es dauert lange bis zu einer echten Torchance kommt. Die meisten Spiele gehen sehr knapp mit wenigen Toren aus. Ein 5:1 oder ein 3:3 wird man vergeblich suchen.

Anders ist das, wenn man mit unterschiedlichen Mannschaftssstärken gegeneinander antritt, was möglich und auch gewünscht ist. Jede Spielkarte hat 2 Seiten. Eine normale und eine besonders starke mit Stern. So kann man eine realistische Partie mit Klassenunterschied spielen (Autor und Verlag arbeiten auch ständig an aktuellen Anpassungen). Dann gibt es auch mehr Torchancen und mehr Tore. Doch wer will die schwächere Mannschaft freiwillig spielen?

Als Spieldauer sind 45 Minuten angegeben. Wir sind nun wirklich keine Grübler, die jeden Spielzug bis ins letzte Detail durchdenken, dennoch haben wir es nicht geschafft, eine Partie unter 60-80 Minuten zu spielen, was uns dann doch für das gebotene eindeutig zu lang war. Wenn man das Ganze tatächlich auf 45 Minuten bringen könnte und den Glücksfaktor noch reduziert und der unfangreichen Regel noch eine Kurzregel für den leichteren Einstieg spendiert, hätte man hier sicherlich ein richtig gutes Spiel vorliegen.

Für wen ist das Spiel? Die Zielgruppe ist realtiv klein. Vielspieler und Fußballfans mit dem Hang zu ruhigen taktischen Spielen, denen aber ein gewisser Glücksfaktor nicht stört.

Mittlerweile hat der sehr engagierte Autor und der Verlag auf so manchen Kritikpunkt bereits reagiert und eine Variante für ein schnelleres Spiel (auf Kosten der Taktik) und eine Juniorversion auf der Homepage des Verlages veröffentlicht um dem Spiel mehr Möglichkeiten zu geben.

Ein großes Dankeschön für ein kostenloses Rezensionsexemplar geht an unplugged!

 

 

 

BEWERTUNG ZU ZWEIT

Hattrick besticht durch ein ausgeklügeltes Spielsystem mit hoch interressanten Mechanismen. Alle wichtigen Elemente des Fußballs wurden sehr gut integriert. Das Regelwerk ist umfangreich und das Spiel will erlernt werden. Es braucht mehrere Partien um alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können. Insgesamt spielt es sich ruhig und für mich persönlich zu emotionslos für eine Spieldauer von deutlich über einer Stunde. Der Glücksanteil kann störend sein. Dennoch ist das Spiel einen Blick wert und wird sicherlich seine Liebhaber finden.

 

3,5  von 6 möglichen Pöppeln

 

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HATTRICK, 5.5 out of 6 based on 2 ratings
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One thought on “HATTRICK

  1. Sehr interessantes Spielprinzip, aber für mich wäre es zu anstrengend. Ich mag komplizierte Spiele, aber wenn ich die Regeln schon lernen muss, sollte es mich auch sehr ansprechen.

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