AUF DER FLUCHT

 

VERLAG : Gmeiner

JAHR : 2012

SPIELER : 2

ALTER : ab 14 Jahren

DAUER : ca. 40-60  Min.

AUTOR : Sonja Klein

SPIELBESCHREIBUNG

Auf der Flucht! Harrison Ford und Tommy Lee Jones alias Dr. Richard Kimble und Deputy Marshal Samuel Gerard liefern sich im Blockbuster von 1993 eine spannendes Katz- und Mausspiel. Das ist jetzt fast 20 Jahre her. Dennoch war das mein erster Gedanke, als ich den Titel und den dazugehörigen Inhalt  zum neuen Krimi-Kartenspiel aus dem Gmeiner-Verlag hörte. Zugegeben, der Vergleich hält einer näheren Betrachtung nicht ganz Stand, schließlich ist der Täter in diesem Deduktionspiel bereits gefasst. Dumm nur, dass von der Beute und dem Komplizen jede Spur fehlt. Durch geschicktes Befragen des Täters soll nun so schnell wie möglich die Fluchtroute quer durch Deutschland, Österreich und der Schweiz zwischen Tatort des Raubes und Ort der Festnahme rekonstruiert werden. Hinweise in den einzelnen Orten lassen Rückschlüsse zu, wo der Komplize und wo die Beute steckt. Die Verfolgungsjagd findet somit nur auf dem Papier statt.

Beiden Spielern kommt im Spiel eine Doppelrolle zu. Denn wir sind zugleich Täter als auch Ermittler. Ziel ist es, den eigenen Fall schneller zu lösen als der Gegenüber seinen und zum ultimativen Chefermittler aufzugsteigen.

Spielvorbereitung:

Jeder Spieler bekommt eine Landkarte, einen Satz Fluchtorte, einen Satz Fluchtfahrzeuge und 3 zufällige Aktionskarten (Ermittlung- und Verteidigungskarten) auf die Hand. Außerdem bekommt jeder Spieler eine Ermittlungsakte, auf der die Ermittlungsergebnisse festgehalten werden.

Jetzt müssen beide Spieler ihren Fall geheim für den Gegenspieler konstruieren und ihre Fluchtroute festlegen. Ort der Tat (am Montag) und Ort der Festnahme (am Samstag) sind bekannt. Dazwischen werden 4 Orte gesucht, die Start und Ende miteinander verbinden. Für die Flucht stehen 5 verschiedene Fahrzeuge mit unterschiedlicher Reichweite zur Verfügung. Die Spieler müssen festlegen, mit welchem Fahrzeug sie von Ort zu Ort geflüchtet sind. Jedes Fahrzeug kann dabei nur einmal verwendet werden und nicht jeder Ort ist mit jedem Fahrzeug erreichbar.

Am Ende liegen vor jedem Spieler 6 Ortskarten aus (erste und letzte offen, der Rest verdeckt) und darüber 5 Fahrzeugkarten verdeckt. In der Ermittlungakte werden die bereits bekannten Ergebnisse für den eigenen Fall festgehalten und geheim die Route für den Gegner notiert. Jeder Ort gibt Hinweise darüber, an welchem Tag die Beute versteckt wurde und an welchem Tag der Komplize untergetaucht ist. Mit jedem weiterem aufgedeckten Ort gibt es mehr Hinweise.

Spielverlauf:

Die Vernehmung des Täters beginnt!

Abwechselnd können die Spieler nun den Täter ihres Falls befragen. Dabei hat jeder Spieler immer 3 Fragen zu dessen Flucht frei, bevor der andere Spieler am Zug ist. Dabei dürfen nur Fragen gestellt werden, die mit ja oder nein beantwortet werden können. Direkte Fragen zum Aufenthaltsort der Beute und des Komplizen sind nicht zulässig. Gewonnene Erkenntnisse werden in der Ermittlungskarte festgehalten. Gelingt es einem Ermittler auf diese Weise einen Ort oder ein Fluchtfahrzeug (von A nach B) der Flucht herauszufinden, muss der Gegenspieler diese Karte in seiner Auslage aufdecken.

Spurt der Täter bei der Befragung nicht so, wie der Ermittler will, kann nach einer Befragung mit Ermittlungskarten nachgeholfen werden. Das Ausspielen von Ermittlungskarten soll die Ermittlungen vereinfachen. Ist der Täter aber unkooperativ, kann er mit Hilfe von passenden Verteidigungskarten die Aussage verweigern oder das Ergebnis der Ermittlung auf andere Weise schwächen.

Die Befragung geht so lange Weiter bis es einem Spieler gelingt, den Fall zu lösen.

Spielende:

Um einem Fall lösen zu können, müssen allerdings bis auf einen Ort und ein  Fluchtfahrzeug alle Karten aufgedeckt sein und somit der Fluchtweg so gut wie bekannt sein.

Ist diese Spielendbedingung erfüllt und man glaubt zu wissen, wo die Beute ist und wo der Komplize untergetaucht ist, kann man, wenn man wieder am Zug ist, den Fall lösen.

Wie geht das? Auf jeder Ortskarte ist eine Information, an welchem Tag der Woche die Beute versteckt wurde und an welchem Tag der Woche der Komplize untergetaucht ist. Deutet die Mehrheit der Hinweise auf einen bestimmten Tag hin, ist dies die Lösung. Es kann auch vorkommen, dass 2 Tage gleich oft vertreten sind, dann hat der Spieler, der den Fall konstruiert hat, vorher festgelegt, welcher Tag der richtig ist. Wer seinen Fall als erstes löst, gewinnt das Spiel. Liegt man falsch, gewinnt der Gegenspieler.

SPIELGEFÜHL

Man muss Deduktionspiele grundsätzlich mögen, ansonsten wird es schwierig, einen Zugang zu diesem Spiel zu finden, was natürlich für alle Spiele dieser Art gilt. Wer allerdings bereits Erfahrungen mit dem Spielgenre gesammelt hat, sei es mit Klassikern wie Scotland Yard oder modernen Deduktionspielen wie Tobago, wird sich auch bei Auf der Flucht leicht zurechtfinden. Die Regeln sind grundsätzlich nicht kompliziert. Das Konstruieren der Fälle zu Spielbeginn stellt aber durchaus eine größere Einstiegshürde da. Zum einem dürfen hier keine Fehler im Aufbau gemacht werden, und zum anderen sollen die Fälle möglichst schwierig zu lösen sein.

Das erfordert ein hohes Maß an Konzentration und nimmt nicht selten schon 25 bis 50 % der kompletten Spielzeit in Beschlag, ohne dass auch nur ein Spielzug durchgeführt wurde (liegt darin die hohe Altersgrenze von 14 Jahren für das Spiel begründet ?). Wurden dann auch noch Fehler im Aufbau des Falls gemacht, ist die Spielfreude dahin.

Durch das ständige gedankliche Umschalten zwischen „eigener Fall lösen wollen“ und „reagieren müssen auf die Fragen des Gegners zu seinem Fall“  lassen bei mir persönlich keine rechte Spielatmosphäre aufkommen und sorgen schonmal für Durcheinander im Spielablauf. Die zwar übersichtliche, aber recht nüchterne Spielgrafik sorgt leider auch nicht dafür, dass ich mich mehr ins Spiel hineingezogen fühle.

Wäre es nicht besser gewesen, abwechselnd zu Spielen? Einer konstruiert den Fall und der andere versucht, diesen zu lösen. Danach wird getauscht. Wer weniger Fragen bis zur Lösung des Falls benötigt ist Sieger.

Bei aller Kritik soll das nicht heißen, dass „Auf der Flucht“ ein schlechtes Spiel ist. Es funktioniert gut, hat aber seine Tücken. Wenn ich vor der Wahl zwischen einem Tobago oder Auf der Flucht stehe, wird meine persönliche Wahl immer auf Tobago fallen.

Ein großes Dankeschön für ein kostenloses Rezensionsexemplar geht an den Gmeiner Verlag!


BEWERTUNG ZU ZWEIT

Auf der Flucht ist von der Spielatmosphäre nicht in einer Liga mit Deduktionspielen wie „Tobago“, „Schinderhannes“ ,   „Das Geheimnis der Abtei“ und dem ewig jungen Spiel des Jahres von 1983 „Scotland Yard“ zu finden.  Das kann man von einem kleinen Kartenspiel aber auch nur bedingt erwarten. Spieltechnisch gibt es ein paar Holpersteine, doch wer Deduktionspiele mag, macht hier sicherlich keinen Fehlkauf. Mir persönlich ist das Spiel aber zu trocken. Ich finde mich nicht  auf der Flucht wieder, sondern grübelnd am Wohnzimmertisch sitzend.

3,5  von 6 möglichen Pöppeln

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AUF DER FLUCHT, 6.0 out of 6 based on 5 ratings
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