GINKGOPOLIS

VERLAG : Pearl Games

JAHR : 2012

SPIELER : 1-5

ALTER : ab 10 Jahren

DAUER : ca. 45 Min.

AUTOR : Xavier Georges

SPIELBESCHREIBUNG

GINKGOPOLIS. Wie heißt das Spiel?  Kann es sein, dass dieses Jahr besonders viele Zungenbrecher als Spielenamen verwendet wurden? Da haben wir neben GINKGOPOLIS auch noch so schöne Vertreter „Tzolk´in“,  „Myrmes“, „Völuspá“ und  „Il Vecchio“. Aber Hauptsache, man weiß, was gemeint ist. Und was heißt nun Ginkgopolis? Frei nach dem Motto: „“Nur nicht blöd sterben“ sollte es mir als Landschaftsarchitekt leicht fallen, dies zu erkären. Der Ginkgo (botanisch: Ginkgo biloba) ist nachweislich der älteste Baum auf dieser unserer Erde und wird daher gerne auch als das Symbol für das Leben verwendet. „Polis“ hingegen kommt aus dem griechischen und bedeutetet  „Stadt“. Die Übersetzung der beiden Begriffe würde nahlegen, dass wir uns in einer besonders grünen, antiken Stadt bewegen. Weit gefehlt. Ginkgopolis steht vielmehr für den modernen Städtebau im Jahre 2212 im Einklang von Mensch und Natur. Die Stadt ist sauber, es werden nicht mehr Ressourcen verbraucht, als nachwachsen, und der Flächenverbrauch wird ganz bewußt gering gehalten. Klingt wie ein Märchen… aber wir haben ja noch rund 200 Jahre Zeit, um dorthin zu gelangen.

Spieleinstieg:

Das Spiel besteht aus 3 unterschiedlichen Typen von Gebäudeplättchen (jeweils Nr.1-20) und den dazu passenden Gebäudekarten (Nr. 1-20). Zu Beginn des Spiels wird eine kleine Stadt aus 3×3 Plättchen zufällig ausgelegt (Nr.1-3 jedes Gebäudetyps). Die  dazu passenden Gebäudekarten Nr. 1-3 jedes Types kommen in  den Kartennachziehstapel. Man unterscheidet drei Arten von Gebäudeplättchen, die Ressourcen in der Spielerfarbe, Erfolgspunkte und neue Gebäudeplättchen bringen. Die übrigen Plättchen werden verdeckt gemischt und bereit gelegt (6 Plättchen kommen zufällig aus dem Spiel). Die Gebäudekarten (ab Nr. 4 -20)  werden nach Typ und Nummer sortiert und offen in den Vorrat bereit gelegt.  Daneben gibt es noch die Urbansierungskarten und die dazu passenden Marker A-L. Die Marker werden der Reihe nach (A-L aufsteigend) um die 3×3 Auslage herum verteilt. Mit Hilfe der Marker und der Karten kann die Stadt in die Breite wachsen. Die Urbansierungskarten kommen alle in den Nachziehstapel.

Zu Beginn des Spiel bekommt jeder Spieler noch 3 Charakterkarten, die definieren, mit welchem Grundstock aus Plättchen, Ressourcen und Erfolgspunkten man in das Spiel startet. Die Karten werden offen vor dem Sichtschirm ausgelegt. Zusammen mit je 2 Kartenaustauschmarkern verschwindet das gesamte restliche Spielmaterial hinter dem eigenen Sichtschirm. Außerdem bekommt jeder Spieler aus dem gemischten Nachziehstapel  4 Karten auf die Hand.

Ziel des Spieles ist es durch Erweiterung der Stadt möglichst viele Erfolgspunkte zu sammeln und einzelne Stadtteile erfolgreich in den eigenen Besitz zu bringen.

Spielverlauf:

Das Spiel besteht aus einer nicht vordefinierten Anzahl an Spielrunden. Jede Spielrunde besteht aus 3 Phasen. Wer am Zug ist wählt eine Handkarte und löst damit eine Aktion aus. Haben beide Spieler dies getan wird eine neue Spielrunde vorbereitet.

Die ausgewählte Handkarte wird verdeckt vor den Sichtschirm abgelegt und kann entweder alleine gespielt werden oder in Kombination mit einem neuen Gebäudeplättchen aus dem eigenen Vorrat (hinter dem Sichtschirm). Zu Spielbeginn bestehen die Handkarten nur Urbansierungskarten (A-L) und den Gebäudekarten 1-3 jedes Gebäudetyps (entsprechend der 3×3 Startauslage der Stadt).

Spielt man eine Urbansierungskarte alleine, also ohne Plättchen aus, bekommt man einfach entweder eine neue Ressource oder ein neues Plättchen hinter den Sichtschirm, und die Karte kommt auf den Ablagestapel. Spielt man die Karte in Kombination mit einem Gebäudeplättchen wird die Stadt erweitert und zwar genau dort, wo der der Karte entsprechende Urbansierungsmarker liegt. Der Marker wird dann wieder an das neue Plättchen angelegt. Die Karte kommt auf den Ablagestapel und der Spieler muss eine eigene Ressource auf das neu gelegte Plättchen legen. Damit jeder weiß, dass das Plättchen neu gelegt wurde, wird zusätzlich ein grauer Baustellenmarker darauf abgelegt. Als Bonus für die Erweiterung der Stadt erhält der Spieler jeweils die Elemente (Ressourcen, Erfolgspunkte oder neue Plättchen) die auf dem benachbarten Gebäudeplättchen (nur orthogonal) zu sehen sind. Je nach Höhe der benachbarten Plättchen können es auch mehrere Elemente sein.

Spielt man keine Urbansierungskarte aus der Hand, sondern eine Gebäudekarte, so steht der Spieler wieder vor der Wahl, die Karte alleine zu spielen oder in Kombination mit einem Plättchen.

Mit Plättchen baut man die Stadt in die Höhe, denn das Plättchen kommt auf das bereits ausliegende Plättchen mit der entsprechenden gespielten Kartennummer. Um in die Höhe bauen zu können, muss man je nach Höhenstufe unterschiedlich viele eigene Ressourcen auf das Plättchen legen (Stufe 1 = 1, Stufe 2=2 usw.). Liegen auf dem Plättchen bereits Ressourcen des Gegners werden diese dem Spieler zurückgegeben und er bekommt pro Ressource einen Erfolgspunkt aus dem Vorrat. Auch hier wird, damit jeder weiß, dass das Plättchen neu gelegt wurde, ein grauer Baustellenmarker darauf abgelegt. Überbaut man das ausliegende Plättchen mit einem Plättchen der gleichen Farbe und höhere Nummer ist alles wunderbar, und die gespielte Karte wird einfach in die eigene Auslage vor den Sichtschirm gelegt. Spielt man ein Plättchen mit höhere Nummer, aber anderer Farbe, kostet das zusätzlich eine weitere Ressource. Spielt man Plättchen mit niedrigeren Nummern muss die Zahlendifferenz in Erfolgspunkten bezahlt werden.

Ohne Plättchen bekommt der Spieler für eine Gebäudekarte so viele neue Plättchen in den eigenen Vorrat, wie das ausliegende Plättchen in der Stadt hoch ist (Stufe 1 = 1, Stufe 2=2 usw.). Die ausgespielte Karte kommt danach aber nicht in die eigene Auslage sondern auf den Ablagestapel.

Was bringen die Karten in der eigenen Auslage?

Über diese Karten kann man beim Kartenausspielen zusätzliche Boni in Form von Ressourcen, Erfolgspunkten und Plättchen bekommen. Jedes Mal, wenn man eine weitere Karte des gleichen Typs ausspielt, schaut man, was einem die entsprechenden Karten in der eigenen Auslage zusätzlich bringen (steht unten auf der Karte).

Haben beide Spieler auf diese Weise eine Aktion ausgeführt, werden die verbliebenen Handkarten an den Gebenspieler übergeben, der Startspieler wechselt und beide Spieler ziehen wieder eine neue Karte vom Nachziehstapel hinzu, so dass jeder wieder 4 Handkarten hat.

Sollte jetzt der Nachziehstapel aufgebraucht sein, kommen neue Karten ins Spiel. Überall, wo gebaut wurde (und ein Baustellemarker auf einem Plättchen steht), kommt jetzt die entsprechende Karte vom Vorrat in den Nachziehstapel und die Baustellenmarker werden vom Spielplan entfernt.  Nach und nach kommen die meisten  Gebäudekarten ins Spiel.

Auf diese Weise  wird Runde für Runde weitergespielt, bis eine der Spielendbedingungen erfüllt ist.

Spielende:

Sobald es einem Spieler gelingt, alle seine 25 Ressourcensteine in der Stadt unterzubringen, ist das Spiel sofort zu Ende. Das Spiel endet auch, wenn der Plättchenvorrat zum zweiten Mal ausgegangen ist. Zum zweiten Mal? Nachdem der Plättchenvorrat das erste Mal leer ist, hat jeder Spieler die Möglichkeit, Plättchen aus seinem Vorrat hinter dem Sichtschirm wieder in den allgemeinen Vorrat zurückzugeben und einen Erfolgspunkt pro Plättchen zu bekommen. Gibt kein Spieler Plättchen zurück, endet das Spiel sofort.

Jetzt wird abgerechnet. Zu den Erfolgspunkten, die man während dem Spiel hinter seinem Sichtschirm gesammelt hat, kommen noch weitere Punkte hinzu. Gebäudekarten ab der Nr. 10 bringen, wenn Sie in der eigenen Auslage liegen, nicht während dem Spiel Boni, sondern für bestimmte Bedingungen Erfolgspunkte am Spielende. Zum Beispiel bekommt man für jedes Gebäudeplättchen der Stufe 3 oder höher, das man besitzt, je 3 Erfolgspunkte oder für jede Karte eines bestimmten Typs in der eigenen Auslage 2 Punkte usw.

Zu guter Letzt werden die Mehrheiten in den einzelnen Stadtvierteln ausgewertet. Ein Stadtviertel besteht immer aus mindestens 2 Gebäudeplättchen einer Farbe, unabhängig davon, wer die Plättchen besitzt. Die darauf stehenden Ressourcen der Spieler werden gezählt. Wer mehr Ressourcen im Stadtviertel hat, bekommt alle Ressourcen des Stadtviertels (auch die des Gegners) 1:1 in Erfolgspunkte umgewandelt, der andere Spieler bekommt nur seine eigenen Ressourcen in Erfolgspunkten. Bei Gleichstand zählt, wer das höchste Gebäude hat.

SPIELGEFÜHL

Ich muss gestehen, dass ich auf Ginkgopolis erst durch die positiven Meldungen nach  Essen gestoßen bin. Das futuristische Thema des Spiels hatte mich im Vorfeld nicht so angesprochen und daher lies ich das Spiel erstmal links liegen. Hätte ich das Spiel während der ersten Partie bewerten müssen, wäre ich froh gewesen, ich hätte das Spiel mal links liegen gelassen, aber zum Glück ist es anders gekommen.

Ich weiß nicht woran es lag, aber nach Regelstudium und Beginn der ersten Partie waren wir völlig planlos. Wir wussten zwar, was wir tun sollten, waren uns über die Auswirkungen aber völlig im Unklaren, so dass die erste Partie einige Fragezeichen hinterließ. Dies besserte sich aber schon mit der zweiten Partie schlagartig, und so langsam  kam Licht ins Dunkel. Ursächlich für die anfänglichen Probleme ist sicherlich der ungewöhnliche Mechanismus, wie Karten ins Spiel kommen und wie Plättchen und Karten gewertet und wann sie wohin gelegt werden. Doch genau diese Mechanismen sind es, die das Spiel ausgewöhnlich und besonders interessant machen.

Ginkgopolis gehört zu der Sorte von Spielen, die von Partie zu Partie besser und spannender werden. Das setzt allerdings voraus, dass alle Spieler den gleichen Prozess durchlaufen. Unerfahrene Spieler werden es gegen Erfahrene am Anfang schwer haben.

Ich mag die schnellen Aktionen und die übersichtlichen Entscheidungsspielräume. Langes Vorausplanen gibt es nicht (wobei ein Grübler immer etwas finden wird, worüber sich lange nachdenken läßt). Es muss immer auf die jeweilige Situation reagiert werden, was nicht heißt, dass man ganz ohne Strategie auskommt. Welche Karten habe ich zur Verfügung? Welche Plättchen habe ich gezogen? Was hat der Gegner unternommen?

Ein bisschen Glück ist beim Nachziehen der Plättchen und Karten auch mit dabei, aber da sich fast immer etwas Sinnvolles damit machen läßt, kommt nur selten das Gefühl auf, dass einen das Glück verlassen hat.

Das Grafiken sind übersichtlich und das Material von ausgesprochen guter Qualität. Ein habtischer Genuss und ein kurzweiliges Spielvergnügen.


 


BEWERTUNG ZU ZWEIT

Pearl Games schafft es auch mit seinem dritten Spiel nach Troyes und Tournay wieder ein gelungenes, innovatives Spiel auf den Markt zu bringen. Anders als bei Tournay funktioniert diesmal auch die intuitive Symbolik auf dem Karten sehr gut. Die Mechanismen sind erfrischend unverbraucht, die Aktionen einfach und die Spieldauer mit 45 Minuten angemessen. Aus der Fülle der in Essen erschienenen Städtebauspiele sticht das Spiel positiv hervor, wenn auch das vordergründige Thema sich im Spiel kaum wiederfindet und man das Spiel nicht mit allzu großen Grüblern am Tisch spielen sollte. Das Spiel lebt von seinen schnellen Aktionen, der geringen Wartezeit und dem schönen Material.

5  von 6 möglichen Pöppeln

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