CARD CITY

VERLAG : Ludibay

JAHR : 2012

SPIELER : 2-4

ALTER : ab 12 Jahren

DAUER : ca. 30 Min.

AUTOR : Alban Viard

SPIELBESCHREIBUNG

CARD CITY ist nur eines von vielen, dieses Jahr in Essen erschienen Städtebauspielen. Endlich mal nicht Mittelalter oder das alte Rom, sondern ein hoch aktuelles Thema. Dabei handelt es sich bei Card City um ein kleines, einfach gestricktes Kartenspiel, das mich an die glorreichen Anfangszeiten des 286er PC´s erinnert, in denen ich in meiner Jugend Stunden, Tage und Wochen die Mutter aller Städtebauspiele Sim City am  Computer gezockt habe. Es wurden Industrieparks (I) aus dem Boden gestampft, ganze Wohngebiete (R) wie am Lineal gezogen in die freie Landschaft gepflanzt und Büro- und Geschäftszeilen (C) im Unverstand als Puffer zwischen Industrie und Wohnen gedrückt. Als Anreiz und Befriedung der Bürger von SimCity brauchte es dann noch das ein oder andere Football-Stadion als Freizeitvergnügen (L) und ein paar Bildungseinrichtungen, Straßen und Parkplätze (P) – und schon wuchs die Stadt mal besser und mal schlechter. Beachtete man ein paar grundlegende Dinge wie z.B kein Wohnen direkt am Industriegebiet oder ohne Geschäfte kein Wachstum und Geld, und blieb man von unvorhergesehenen Naturkatastrophen verschont, stand einer erfolgreichen Karriere als Bürgermeister von Sim City nichts mehr im Weg. Viele dieser Elemente, wenn auch in einem viel kleineren Rahmen, finden sich in Card City wieder.

Spieleinstieg:

Jeder Spieler hat ein Stück Land, bestehend aus 5×5 Parzellen. Als Bürgermeister dieses Gebietes ist es Ziel und Aufgabe, ausgehend vom Rathaus (M), eine kleine florierende Stadt aufzubauen, so dass sich im Besten Fall die 5×5 Parzellen bis zum Spielende (nach 10 Runden) vollständig gefüllt haben. Füllen läßt sich die Stadt mit Wohnungen (R), Geschäften (C), Industrie (I), Kultur- und Freizeitvergnügen (L) und Parkplätzen (P).

Zu Beginn des Spiels wird ein Kartendeck bestehend aus 12 x R, 8 x I, 8 x P, 6 x C und 6 x L zusammengestellt und verdeckt gemischt. Diese 40 Karten bilden den Nachziehstapel. Pro Runde kommen 4 Karten in Spiel. Die restlichen Karten bilden die offen ausliegende Reserve.

Jeder Spieler bekommt ein Startkapital von 3 Geld und das Rathaus als Startkarte. Das Rathaus bildet den Ausgangspunkt der wachsenden Stadt. Nur wer am Spielende viele Einwohner vorweisen kann, kann dass Spiel gewinnen. Lücken im Stadtbild bringen Minuspunkte.

Spielverlauf:

Jede der 10 Spielrunden besteht aus 5 aufeinanderfolgenden Phasen. Bis auf Phase 1 können beide Spieler parallel agieren. Der Startspieler wechselt von Runde zu Runde automatisch.

Die Phase 1 einer Runde besteht daraus, dass der Startspieler 4 Karten vom Nachziehstapel für den Gegenspieler nicht sichtbar auf die Hand nimmt und daraus 2 Pärchen bildet. Die beiden Kartenpärchen werden dem Gegenüber zur Auswahl angeboten. Das eine Kartenpaar wird offen angeboten, das anderen Kartenpaar besteht immer aus einer verdeckten und einer offenen Karte. Der Gegenspieler entscheidet sich für ein Kartenpaar und muss dieses in seiner Stadt auslegen. Das übrig gebliebene Kartenpaar bekommt der Startspieler und muss dieses ebenfalls in seiner Stadt auslegen. Sollten in der ersten Runde Kultur- und Freizeitgebäude (L) unter den 4 gezogenen Karten sein, so werden diese wieder in den Stapel gemischt und neue Karten nachgezogen.

In der Phase 2 versuchen beide Spieler Ihre in Phase 1 erworbene Karten in Ihrer Stadt möglichst sinnvoll und regelgerecht anzulegen. Dabei müssen neue Karten immer mindestens mit einer Seite an eine bereits liegende Karte angelegt werden. Für das Anlegen der Karten gibt es ein paar einfache Regeln zu beachten:

Zum einen darf natürlich nicht über die Stadtgrenzen hinaus gebaut werden. Das Raster von 5×5 Karten muss eingehalten werden. Industriegebäude dürfen nicht an Wohngebäude (R) gelegt werden und umgekehrt. Wohngebäude (R) darf nicht an Wohngebäude (R) und Geschäftsgebäude (C) nicht an Geschäftsgebäude (C) gelegt werden. Alle anderen Karten dürfen beliebig angelegt werden.

Jede Stadt hat eine Wachstumsgrenze, die durch die Anzahl der Industriekarten in einer Stadt definiert ist. Ohne eine einzige Industrie kann eine Stadt nur bis zu 5 Karten groß werden. Jede Industriekarte (I) in einer Stadt erhöht das Limit um weitere 5 Karten. Will man seine Stadt vollständig (sprich 5×5 Karten) belegen, braucht man mindestens 4 Industriekarten (I) in seiner Stadt. Die Industriekarten selbst werden nicht zu dem Limit dazugezählt. Das auslegen der gezogenen Karten ist immer kostenlos, außer bei Kultur- und Freizeitgebäuden (L). Jedes dieser Gebäude kostet 5 Geld.

Die in Phase 1 gezogenen Karten müssen, falls es die Regeleinschränkungen zulassen, immer gebaut werden. Man kann auf den Bau nicht verzichten. Sollte es nicht möglich sein die Karten Regelgerecht anzulegen oder fehlt einem das Geld, um ein Kultur- und Freizeitgebäuden (L) zu bauen, kommen die Karten aus dem Spiel.

Nachdem die Karten in Phase 2 ausgelegt wurden, kann sich die Stadt in Phase 3 weiterentwickeln. Ob sich eine Stadt entwickelt, hängt von der Kartenauslage in der Stadt ab. Entwickeln können sich grundsätzlich nur Wohngebäude (R) und Geschäftsgebäude (C). Dabei muss man wissen, dass zusammenhängende Karten eines Typs in der Auslage einen Bezirk darstellen. Ein Bezirk kann auch nur aus einem einzelnen Wohngebäude (R)  oder einem einzelnen Geschäftsgebäude (C)  bestehen. Nur durch die Entwicklung in Phase 3 können die Bezirke größer werden oder sogar im besten Fall miteinander verschmelzen. Denn zur Erinnerung: In Phase 2 war es nicht erlaubt, Wohngebäude an Wohngebäude und Geschäftsgebäude an Geschäftsgebäude zu legen.

Doch wann entwickelt sich jetzt ein Wohnbezirk oder ein Geschäftsbezirk?

Wenn keine kaufkräftigen Einwohner da sind, kommen auch keine neuen Geschäfte. Damit sich ein Geschäftsbezirk weiterentwickeln kann, muss er immer an mindestens einen mehr Wohnbezirk(e) angrenzen, als er selbst groß ist. Ein Geschäftsbezirk, der nur aus einer Karte C besteht, muss somit immer an 2 nicht miteinander verbundene Wohnbezirke (R) angrenzen, um selbst wachsen zu können. Stimmen die Wachstumsbedingungen, darf man sich aus der Reserve eine neue Gebäudekarte (C) kostenlos nehmen und in seinem Bezirk anlegen (falls Platz vorhanden ist). Besteht ein Geschäftsbezirk bereits aus 2 Gebäudekarten muss dieser bereits an 3 unterschiedliche Wohnbezirke angrenzen, um wachsen zu können usw.

Die Weiterentwicklung eines Wohnbezirks ist gekoppelt an das vorhandene Freizeitangebot. Im Gegensatz zu den Geschäftsgebäuden, müssen die Kultur- und Freizeitgebäude (L) nicht aus unterschiedlichen Bezirken stammen. Eine einzige Karte L kann daher an einen Wohnbezirk auch mit 2 Seiten angrenzen, um für eine Weiterentwicklung zu sorgen. Ansonsten ist die Entwicklungsart aber identisch zu den Geschäftsgebäuden.

Wie kommt man zu Geld? In Phase 4 gibt es Einkommen. Wo wird das Einkommen generiert? Natürlich in den Geschäften (C) der Stadt. Jede einzelne Geschäftskarte bringt nur ein Geld. Besteht ein Geschäftsbezirk jedoch aus mehreren zusammenhängenden Geschäftskarten (C), so steigt auch das Einkommen. Die erste Karte bringt 1 Geld, die Zweite weitere 2 Geld, die dritte weitere 3 Geld usw. Wer noch keine Geschäftsgebäude besitzt, hat zumindest eine Grundsicherung über das Gehalt des Bürgermeisters/ Rathaus. Dieses bringt jede Runde ein Geld.

In Phase 5 wechselt der Startspieler, und jeder Spieler hat die Möglichkeit, zusätzliche Industrie (I) zu kaufen. Wer in Phase 1 keine Industriekarte kostenlos bekommen hat oder feststellt, dass durch Entwicklung und Kartenauslage sein Wachstumslimit erreicht ist, kann jetzt eine Industriekarte (I) aus der Reserve kaufen. Sollte es die erste Industriekarte in der Stadt sein, kostet es 5 Geld, jede weitere Karte kostet 5 Geld mehr (hat man z.B. bereits 2 Industriekarten in der Stadt liegen, kostet die zusätzliche 3. Industriekarte 15 Geld). Die Karte muss danach sofort Regelgerecht in der Stadt angelegt werden.

Spielende:

Das Spielende kommt automatisch nach Ende der 10.Spielrunde. Die 10. Runde wird ganz normal durchgespielt inkl. Einkommen. Jetzt wird abgerechnet. Wie bereits eingangs erwähnt, braucht man viele Einwohner/ Wohngebäude, um das Spiel gewinnen zu können. Lücken im Stadtbild bringen Minuspunkte.

Für jede einzelne Wohngebäudekarte gibt es einen Siegpunkt. Bei zusammenhängenden Wohnbezirken aus mehren Wohngebäuden steigt die Anzahl an Siegpunkten pro Karte. Die erste Karte bringt 1 Siegpunkt, die Zweite weitere 2 Siegpunkte, die dritte weitere 3 Siegpunkte  usw. Für jedes leere Feld in der 5×5 Auslage bekommt man jetzt noch einen Minuspunkt und für je 5 Geld einen Siegpunkt.

Wer die meisten Siegpunkte vorweisen kann, ist der erfolgreichste Bürgermeister.

SPIELGEFÜHL

Card City ist von seinen Regeln eigentlich nicht wirklich kompliziert und läßt einen sehr schnell in die ersten Partien starten. Bis man allerdings verinnerlicht hat, wie die Erweiterung der Wohnbezirke und der Geschäftsbezirke sinnvollerweise von statten geht, vergehen schon ein paar Partien. Der eine braucht etwas länger, der andere schafft es schneller. Eine gute Kurzspielhilfe findet sich auf Boardgamegeek und sollte diese Problematik etwas abmildern. Hat man diesen Punkt erstmal  überwunden, stehen einem immer wieder spannende rund 30 Minuten bevor.

Jede Partie entwickelt sich anders. Durch die Zufälligkeit der Kartenangebote in Phase 1 jeder Runde kann sich eine Partie in völlig unterschiedliche Richtungen entwickeln. Viel Industrie, wenig Wohnen oder viele Geschäfte mit viel Geld aber wenig Freizeitgebäude. Mancher würde sagen, hier regiert das Kartenglück mit eiserner Hand. Je nachdem, welcher Kartentyp  in den ersten Runden wenig vertreten ist, entwickelt sich eine Stadt schneller oder langsamer. Das kann das ein oder andere Mal schon dazu führen, dass bei einem Spieler alles super funktioniert und beim anderen sich gar nichts entwickeln will. Eine gewisse Frusttoleranz sollte man für Card City schon mitbringen. Doch diese ungleichen Partien sind eher die Ausnahme. In der Regel entsteht ein spannender Zweikampf mit knappen Resultaten.

Als Startspieler muss man sich schon genau überlegen, welche Kartenpaare man bildet, um am Ende auch das zu bekommen, was man braucht bzw. sollte man dem Gegner nicht in die Karten zu spielen und ihm genau das anzubieten, worauf er sehnlichst wartet. Die Möglichkeit, bei einem Kartenpaar eine Karte verdeckt auszulegen hat in unseren Partien immer wieder zu Überraschungen geführt, wenn der eine denkt, dass der andere denkt, dass wiederum der andere denkt…..und schließlich doch alles anders kommt! Sollte der Plan aber gelingen, ist die Freude groß!

Ich mag diese Art von Spielsituation, wo man sich ein wenig in den Anderen hineinversetzten muss.

Phase 3 des Spiels, in der sich die Bezirke entwickeln, finde ich besonders spannend. Wenn es einem tatsächlich gelingt, den großen Coup zu landen und durch geschicktes anlegen der Karten gleich mehrere Bezirke zu entwickeln und vielleicht sogar zwei kleine Bezirke zu einem großen zu verschmelzen, der am Spielende richtig Punkte bringt. Top!

Mich erinnert Card City in den Grundzügen immer wieder an den Computerklassiker Sim City. Nicht, dass das Spiel die Komplexität und die Ausdauer von Sim City hätte, aber irgendwie den gleichen Grundgedanken, und den mag ich. Es würde mich wundern, wenn Autor Alban Viard nicht selbst Tage und Nächte mit dem Spiel zugebracht hätte.Vielleicht mag ich das Spiel deswegen so gerne spielen und vielleicht fällt mir der Einstieg in das Spiel deshalb so leicht. Ich würde jederzeit wieder eine neue Stadt starten.

 


BEWERTUNG ZU ZWEIT

Card City ist ein kurzweiliges Städtebauspiel im Stile vom Computerklassiker Sim City. Kurz und knackig mit einem schönen Entwicklungsmechanismus. Ein wenig Glück beim Kartenziehen ist zwar nötig, und die ein oder andere Partie kann bei fehlendem Glück etwas frustrierend ablaufen, doch bei 30 Minuten Spielzeit ist das schnell in der Folgepartie wieder vergessen. Die Kartengrafiken mit dem französischen Charme sind sehr ansprechend. Für mich insgesamt  ein gelungener Vertreter des Genre und eine Hommage an den Klassiker Sim City.

5  von 6 möglichen Pöppeln

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