VOR DEN TOREN VON LOYANG

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VERLAG : Hall Games

JAHR : 2009

SPIELER : 1-4

ALTER : ab 10 Jahren

DAUER : ca. 90 Min.

AUTOR : Uwe Rosenberg

SPIELBESCHREIBUNG

Im dritten großen Spiel nach „Agricola“ und „Le Havre“ versetzt uns Uwe Rosenberg nach China vor 2000 Jahren. Genauer gesagt in dessen florierende Hauptstadt Loyang. Wir wollen als Bauern unseren Teil vom großen Kuchen ab haben und versuchen, unsere auf eigenen Feldern produzierten Nahrungsmittel gewinnbringend an den Mann/ die Frau  zu bringen. Wir bedienen unsere anspruchsvollen Stammkunden auf dem Markt „vor den Toren“ der Hauptstadt mit den gewünschten Waren und versuchen gleichzeitig, die Wünsche des ein oder anderen Laufkunden zu erfüllen. Wem es gelingt, nach 9 Runden, den meisten „Käsch“ (Zahlungsmittel über fast 3000 Jahre bis Ende des 19. Jahrhunderts in China) zu machen und damit auf dem Wohlstandspfad am weitesten nach vorne zu gelangen, gewinnt das Spiel. Doch bis dort hin ist es ein langer und steiniger Weg…..

vor den Toren GemüseAlles beginnt damit, dass jeder Spieler einen kleinen Acker (das Stammfeld) besitzt, auf dem genau eine von insgesamt 6 verschiedenen Nahrungsmitteln (Weizen, Kürbiss, Rüben, Chinakohl, Bohnen und Lauch) angebaut wird. Zu Beginn jeder neuen Runde kommt ein weiterer Acker hinzu. Von der Größe des Ackers (3-9) ist es abhängig, was angebaut werden darf. Je größer der Acker ist, desto weniger Nahrungsmittel stehen zur Auswahl.

Jeder Spieler hat zudem einen eigenen  Laden (zu Spielbeginn bestückt mit allen 6 Nahrungsmitteln), an den verkauft und von dem gekauft werden kann, ein kleines Lager/Karren und 10 Käsch Startkapital.

Auf dem eigenen Wohlstandspfad (von 1-20) starten wir ganz unten und versuchen uns durch Geldabgabe langsam nach oben zu arbeiten. Doch dieses Geld will erst verdient werden.

Jede der 9 Runden verläuft gleich und unterteilt sich in die 3 Phasen „Ernte“, „Karten“ und „Aktionen“.

Erntephase:

Jeder Spieler deckt einen neuen Acker auf  und legt ihn neben seine anderen Felder. Von jedem Acker wird genau ein Nahrungsmittel geerntet und auf den Karren gelegt. Wird ein Acker dadurch vollständig abgeerntet, kommt er aus dem Spiel.

Kartenphase:

vor den Toren SpielplanIm Spiel gibt es 70 Aktionskarten, die als verdeckt gemischter  Nachziehstapel zur Verfügung stehen. In diesem Stapel befinden sich die blauen Stammkunden, die roten Laufkunden, die orangefarbenen Marktstände, die beigen Helfer und ein paar zusätzliche Äcker.

In der Kartenphase bekommt jeder Spieler 4 Karten zufällig auf die Hand. Nur eine dieser 4 Karten wird jeder Spieler am Ende der Kartenphase garantiert in seine Auslage legen können bzw. müssen. In einer Verteilungsrunde werden die Karten nacheinander in die Tischmitte offen ausgelegt: der Startspieler beginnt, indem er eine Karte vom verdeckten Nachziehstapel zieht und sie offen in die Tischmitte  legt. Danach legt er entweder eine Karte von seiner Hand dazu oder nimmt sich eine Karte aus der Tischmitte und behält eine weitere aus seiner Hand. Die nicht gewählten 3 Handkarten legt er dann in die Tischmitte, die somit der andere Spieler mit zur Auswahl hat.  Dann ist der zweite Spieler am Zug und verfährt genauso (Karte aufdecken, Handkarte dazulegen oder Karte aus Tischmitte plus Handkarte nehmen). Das Spiel geht solange weiter, bis beide Spieler genau 2 Karten haben. Eine aus der Tischmitte und eine aus der Hand.

Sobald ein Spieler eine Karte aus der Tischmitte nimmt, ist die Kartenphase für ihn beendet.

Mit jeder ausgelegten Karte wird die Auswahl größer. Dies geht aber maximal so lange bis jeder Spieler 3 seiner Handkarten in der Tischmitte ausgelegt hat, die 4.Handkarte muss er dann auf jeden Fall behalten.

Die Karten, die die Spieler in der Verteilungsrunde bekommen, müssen sofort an die entsprechende Position neben dem Wohlstandspfad ausgelegt werden (entsprechend der Symbole entlang des Pfades).

Derjenige Spieler, der seine 2. Karte aus der Auslage in der Tischmitte als letzter genommen hat, wird automatisch neuer Startspieler. Dies kann je nach Spielsituation Vor- oder Nachteile haben.

Aktionsphase:

In der Aktionsphase können die Spieler unterschiedliche Aktionen in beliebiger Reihenfolge  durchführen:

Waren als Saatgut auf den eigenen Äckern aussähen:

Eine Ware wird vom eigenen Karren auf ein Feld gelegt, die restlichen Parzellen des Feldes werden mit Waren aus dem allgemeinen Vorrat ergänzt.

Waren im Laden kaufen oder an den Laden verkaufen:

Beliebig viele Waren aus den eigenen Laden zu den angegebenen Preisen kaufen und in den Karren legen oder Waren aus dem Karren auf ein freies Feld im Laden verkaufen.

Marktstände nutzen:

Ein orangefarbener Marktstand in der eigenen Auslage wird sofort nach Auslegen in der Kartenphase  mit den abgebildeten Waren  aus dem allgemeinen Vorrat bestückt. Es ist möglich eine bzw. zwei beliebige Waren (je nach Tauschwert auf der Karte) aus dem Karren mit einer Ware des Marktstandes zu tauschen.

Helfer einsetzen oder abwerfen:

Es gibt 20 verschiedene Helferkarten, die den Spielern Vorteile verschaffen oder dem Gegenspieler Nachteile. Die Helfer sind einmalig einsetzbar und verschwinden dann auf dem Ablagestapel.

Stammkunde beliefern:

Hat man in der Kartenphase einen Stammkunden erworben, wird sofort ein Zufriedenheitsmarker darauf platziert. Der Kunde muss  Runde für Runde (4 Runden insgesamt) mit den auf der Karte geforderten Waren von unten nach oben beliefert werden. Dafür erhält man den entsprechend aufgedruckten Gegenwert in Käsch. Kann oder will man nicht liefern, wird der Zufriendenheitsmarker auf die rote Seite gedreht. Ist dies schon passiert und man liefert trotzdem nicht, werden Runde für Runde 2 Käsch Entschädigung fällig. Einen einmal ausliegenden Stammkunden kann man nicht mehr loswerden, nur wenn man ihn 4 Runden beliefert hat, ist er endgültig versorgt und kommt auf den Ablagestapel.

Laufkunden bedienen:

Die Laufkunden sind wesentlich anspruchsloser. Wem es in einer Runde gelingt, die geforderten Waren zu liefern, bekommt entsprechend Käsch. Der Ertrag erhöht sich, wenn man mehr Stammkunden in seiner Auslage hat als Laufkunden und verringert sich im umgekehrten Fall. Strafe für nicht Belieferung gibt es keine.

Doppelpack kaufen:

Einmal pro Runde kann ein Spieler 2 Aktionskarten vom verdeckten Nachziehstapel kaufen. Der Preis hängt von der Anzahl Helfer oder Marktständen (was gerade mehr vorhanden ist) in der eigenen Auslage ab. Diese Karten kann der Spieler in seine Auslage legen, muss aber nicht.

Am Ende der Aktionsphase müssen die übrigen Waren im Karren eingelagert werden (max. 4 Stück, wenn er zum Lager erweitert wird, sonst nur 1!). Die restlichen Waren verfallen.

Zum Abschluss einer Runde kann der Wertungstein auf dem Wohlstandspfad nach vorne bewegt werden. Die erste Bewegung jeder Runde kostet immer einen Käsch. Jeder weitere Schritt kostet den Wert des nächsten Feldes.

Nach 9 Runden endet das Spiel, wer jetzt am weitesten auf dem Wohlstandspfad voran geschritten ist, gewinnt das Spiel.

SPIELGEFÜHL

Schon beim Auspacken bekommt man Lust, sofort los zulegen. Wunderschönes Holzmaterial. Jedes Gemüse hat seine eigene Form. Die Karten sind  sehr schön und übersichtlich gestaltet. Das Regelstudium geht, dank des klar strukturierten Regelheftes, sehr schnell und ohne Probleme vonstatten. Regelfragen gab es praktisch keine.

vor den Toren Geld kleinAnders als bei den Vorgängern „Agricola“ und „Le Havre“ fällt der Einstieg wesentlich leichter. Nur wenige Karten müssen erlernt werden (20 unterschiedliche Helfer). Das Spiel kommt wesentlich schneller in die Gänge. Meist hat jeder Spieler spätestens nach der 2. Runde seinen ersten Stammkunden beliefert, das erste Feld bestellt und den ersten Käsch gemacht.

Durch die Kartenverteilungsrunde und die unterschiedlichen Helferkarten kommt zwischen den Spielern ein gewisses Maß an Interaktion auf, das über das Blockieren von einzelnen Karten der Vorgängerspiele hinausgeht. Durch manchen Helfer kann man den Gegner richtig ärgern.

Es ist toll mit anzusehen, wie sich die einzelnen Marktprozesse entwickeln. Saatgut auf den Feldern aussähen, ernten, Kunden an Land ziehen, beliefern, Käsch kassieren und wieder investieren. So reibungslos geht es aber meist doch nicht. „Vor den Toren von Loyang“  ist schließlich auch wieder ein Mangelspiel. Mal fehlt es an den richtigen Waren, mal an den passenden Kunden, aber fast immer fehlt es am Käsch. Am Ende jeder Runde sollte genügend Geld erwirtschaftet werden, um mindestens eine zusätzliche Stufe (über die obligatorische 1 Käsch Stufe) auf dem Wohlstandspfad nach vorne wandern zu können, sonst wird es schwer, zu gewinnen. Gibt man an dieser Stelle aber zu viel Geld aus und behält zu wenig für die nächste Runde in Reserve, kann es ganz schnell zu Engpässen kommen, weil der Handlungsspielraum stark eingeschränkt wird.

Man muss sich stets mehrere Standbeine aufbauen und alternative Wege offen halten. Wer nur auf Stammkunden setzt, wird schnell verzweifeln, wenn die Kundenwünsche nicht bedient werden können. Wer nur auf die Laufkundschaft setzt, wird aber auch nicht glücklich, da der finanzielle Erfolg auf wackligen Beinen steht. Manchmal muss man aus der Situation heraus auch mal eine weniger lukrative Aktion durchführen, um langfristig wieder gefestigter dazustehen.

Uns hat das Spiel bislang sehr viel Spass bereitet und wird auch in Zukunft regelmäßig auf den Tisch kommen. Das Spiel ist keineswegs leicht, strahlt aber eine größere  Leichtigkeit aus als seine Vorgänger. Der grundlegende Spielablauf in Loyang ist immer gleich, trotzdem ist die Spielsituation jedes Mal ein wenig anders, so dass genug Raum für einen dauerhaften Spielreiz bleibt. Wer mit „Agricola“ und „Le Havre“ bislang nicht richtig warm wurde, der findet mit diesem Spiel vielleicht doch noch den Zugang zu dieser „Trilogie“.

Ich ziehe den Hut vor Uwe Rosenberg und bedanke mich für viele Stunden Spielspass.

Wäre das Thema nicht in China angesiedelt, was für mich  persönlich nicht das schönste Spielthema ist, könnte ich mich glatt zu 6 Pöppeln hinreißen lassen. So gibt es einen kleinen Abzug.

vor den Toren 2 x20 vor den Toren 1x20

BEWERTUNG ZU ZWEIT

Wer hätte das gedacht. Auch das dritte große Spiel von Uwe Rosenberg spielt sich, wie seine Vorgänger Agricola und Le Havre, hervorragend zu zweit und besticht durch einen sehr hohen Wiederspielreiz. Der Zugang zum Spiel ist   etwas leichter, und der ständige Mangeleffekt im Spiel der Vorgänger ist hier nicht so ausgeprägt. Wer Agricola und Le Havre gerne spielt, kommt an diesem Spiel nicht vorbei! Von mir eine ganz klare Empfehlung.

Pöppelbewertung 5.5

5,5  von 6 möglichen Pöppeln

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VOR DEN TOREN VON LOYANG, 5.7 out of 6 based on 3 ratings
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